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Nutznießer des Bestellbooms

In den letzten Jahren haben zahlreiche Banken mit den Folgen der Finanzkrise gerungen. Währenddessen brachte sich neue Konkurrenz in Stellung, infolge des Booms bei Onlinebestellungen und des wachsenden Hangs zu Kartenzahlung. Eine Umfrage eines Hamburger Unternehmensberaters belegt, dass viele klassische Geldinstitute ihr Kerngeschäft durch branchenfremde Angebote bedroht sehen.

Dabei geht es insbesondere um die Zahlungsabwicklung, also um Unternehmen, die als neue Mittler zwischen Käufer und Verkäufer dienen. So fürchten nicht weniger als 57 Prozent der Entscheidungsträger von Banken in Österreich und Deutschland die Konkurrenz von Firmen, die sich auf Bezahlvorgänge spezialisiert haben.

Solche internetbasierten Angebote sind etwa die eBay-Tochter PayPal und ClickandBuy. Auch externe mobilfunkbasierte Bezahlsysteme werden immer mehr als Gefahr gesehen, heißt es. Das gaben 48 Prozent der befragten Banker an. Schließlich verdienen Banken bei diesen Bezahlvorgängen nicht - der Verkäufer greift direkt auf ein Guthabenkonto zu.

Sorgen der Banker nahmen weiter zu

Wie aus dem Bericht außerdem hervorging, wuchs die Sorge der Banker binnen eines Jahres weiter - im Vorjahr hatten erst 51 Prozent der Befragten Sorgen hinsichtlich neuer Konkurrenten geäußert. Auch die Furcht von Firmen, die im Umfeld des Mobilsektors entstanden, wuchs im Vergleich mit dem Vorjahr markant an. Denn während heuer 48 Prozent der befragten Banker Sorgen äußerten, waren es im Vorjahr nur 35 Prozent gewesen.

Mobiles Bezahlungstool

Reuters/Kim White

Einige Firmen bieten Smartphone-Module für Kreditkarten an

Die Daten lieferte der Mitte Februar vorgestellte „Branchenkompass 2012 Kreditinstitute“ der Hamburger Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting und des FAZ-Instituts in Frankfurt am Main. Für die Studie wurden im August und September vergangenen Jahres 120 Entscheidungsträger aus 120 Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Kreditbanken in Deutschland und Österreich befragt.

Neue Firmen sprangen auf Innovationen auf

Die neuen Anbieter hätten technologische Innovationen mit kundenfreundlichen Finanzdienstleistungen verbunden, so Andre Schmidt, Experte für Bezahlsysteme bei Steria Mummert Consulting. Das erkläre den Aufschwung und die gleichsam nicht ganz unberechtigte Angst vieler Banken vor branchenfremden Firmen. Weitere zugkräftige Beispiele dafür seien Apps mit integrierter Bezahlfunktion wie myTaxi und Anbieter wie iZettle, Square und SumUp.

Banken bleibe nach Meinung des Experten nichts anderes übrig, als diesen Entwicklungen aktiv entgegenzuwirken, um nicht weiter an Boden zu verlieren. Rasch sollten Banken eigene Modelle für mobile Bezahlsysteme aufstellen, so Schmidt. Dabei dürfe eine Zusammenarbeit mit Telekommunikationsanbietern nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Neue Konzepte im Anmarsch

Doch die Branche aus Anbietern neuer Bezahlsysteme schläft nicht, dabei folgt der Trend Konzepten des Bezahlens ohne Zutun des Kunden. Karten oder Chips verlassen dabei generell nicht mehr die Tasche des Kunden. Derzeit werden von vielen Bezahlsystemen bereits persönliche Einstecksysteme für Kreditkarten gehandelt, die über ein Modul in ein mobiles Endgerät gesteckt werden können - das persönliche Tablet wird damit zur Kasse.

Doch die neuesten Ideen gehen überhaupt weg von jeglichen technischen Hilfsmitteln: Kundendaten werden mittels einer App gespeichert, bei zugesagter Kaufabsicht kann der Verkäufer auf diese Daten und ein Bild des Käufers zugreifen, um schnelle Identifikation zu gewährleisten. Der Käufer kann den Bezahlvorgang schließlich freigeben, gefolgt von der Abbuchung. „Es geht um ein persönlicheres Einkaufserlebnis und Kundenpflege“, heißt es etwa vom deutschen Branchenunternehmen SumUp.

Handy und Tablet als Ersatz für Kassen

Auch der US-Bezahldienstleister PayPal arbeitet zurzeit an ähnlichen Konzepten - in einer ersten Phase soll das Modell in den kommenden Monaten in den USA an den Start gehen und später auch nach Europa kommen. Den Vorstellungen des US-Branchenriesen zufolge sollen Kassen in vielen Geschäften in absehbarer Zeit überhaupt der Vergangenheit angehören - der Fokus liege auf der Bezahlung mit Handy und Tablet.

Nicht durchgesetzt habe sich nach Ansicht von PayPal das Bezahlen per Nahfeldkommunikation (NFC), eine derzeit in Österreich verwendete Technologie. Bereits seit 2007 setzt die Telekom Austria auf berührungsloses Bezahlen bei den ÖBB und Wiener Linien. Dabei können Kunden mit ihrer Kreditkarte oder ihrem Smartphone bezahlen, ohne Geld aus der Geldbörse nehmen zu müssen. Die Kreditkarten und Handys sind mit speziellen Mikrochips ausgestattet, die mit Kassenterminals auf kurze Distanz von nur wenigen Zentimetern kommunizieren und so Zahlungsdaten austauschen können. ÖBB und Wiener Linien setzen NFC zum Verkauf von Tickets ein.

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