Themenüberblick

Kritiker sehen Blase bald platzen

Im Jahr 2009 noch in der Hackerszene herumgeschoben, hat die virtuelle Währung Bitcoin zu einem ungeahnten Höhenflug angesetzt. Die Cyberwährung lockte immer mehr Skeptiker an, die befürchteten, ihr „normales“ Geld sei nicht mehr sicher. Und ein „Devisentausch“ ist auf Onlineplattformen in Sekunden erledigt. Doch Kritiker sind sich sicher: Eine beständige Alternative zu „echten“ Währungen ist der Bitcoin nicht.

Entsprechend ruft die Bitcoin-Kursexplosion von etwa 13 auf über 130 US-Dollar seit Jahresbeginn immer mehr Experten auf den Plan, die den Rummel um das virtuelle Geld für nichts anderes als einen durch Spekulationen ausgelösten Hype halten: „Der Chartverlauf entspricht dem klassischen Muster einer aggressiven Spekulationsblase“, sagt Analyst Sebastien Galy von der Großbank Societe Generale.

Investoren werden zu Spekulanten

Solche Kursanstiege sind eigentlich das Gegenteil von dem, was eine zuverlässige Währung ausmachen soll, heißt es wiederum aus dem Lager der Kritiker. „Wenn der Bitcoin zu teuer wird, verliert er seinen Nutzen als Zahlungsmittel“, sagt Galy. Die Währung wird dann bloß gehortet statt ausgegeben, Investoren mutieren zu Spekulanten. „Es gibt jeden Grund anzunehmen, dass der Bitcoin-Boom bald endet“, schreibt das renommierte Londoner Wirtschaftsmagazin „Economist“.

Doch das Interesse an der „Hackerwährung“ ist breiter, als man landläufig vermutet: Sogar große Vermögensverwalter zeigten angeblich Interesse am Bitcoin. Schließlich gibt es ein Hauptargument, das nach Ansicht vieler für Bitcoins spricht: Sie werden gezielt knapp gehalten und gelten deshalb als Inflationsschutz. Doch es gibt auch eine Schattenseite: So basieren sie - anders als Gold, das als rarer Rohstoff ein Wert an sich ist - allein auf Vertrauen.

Vertrauensfrage als Problem

Statt auf Zentralbanken, die für Währungen bürgen, muss man sich als Bitcoin-Nutzer auf andere User und Internetportale verlassen. Doch ein damit verbundenes Risiko offenbarte sich erst vor kurzem: Das Bitcoin-Handelsportal Mt.Gox wurde am Mittwoch Opfer von Hackerangriffen - „wie wir sie noch nie gesehen haben“, wie es danach seitens des Betreibers hieß. Damit solle die Währung destabilisiert werden, vermuten die Macher der Handelsplattform in einer Mitteilung an alle „Bitcoiners“. Doch leider könne man „ziemlich wenig machen“, hieß es.

Auslöser für die Bitcoin-Kursrallye wird meist die extrem lockere Geldpolitik der führenden Notenbanken angeführt, die Anleger aus den etablierten Währungen treibt. Die Diskussion über die Beteiligung von Sparern an Euro-Hilfsprogrammen nach der Zypern-Rettung dürfte zuletzt auch eine Rolle gespielt haben, meinen Analysten. Zudem ist der Zugang zu Bitcoins schnell und unkompliziert: Die Währung lässt sich auf Onlineportalen auch per Handy rasch gegen Euro oder Dollar tauschen, in manchen Geschäften in großen Metropolen kann damit auch ganz normal bezahlt werden.

Bitcoin als das neue Gold

Tatsächlich tummeln sich Bitcoin-Anhänger vornehmlich im Lager der Papiergeldskeptiker. So haben zuletzt verstärkt Edelmetallanleger, die Staaten und Notenbanken misstrauen, die Cyberwährung für sich entdeckt. Der Bitcoin seien „das neue Gold“, meint der britische „Telegraph“. Die „Washington Post“ zitiert den ehemaligen Goldhändler Jonathan Harrison: „Er (Bitcoin, Anm.) kann nicht von Regierungen manipuliert oder im Zuge geldpolitischer Maßnahmen verändert werden. Ich nenne ihn das digitale Gold“, so Harrison. Kurios ist jedoch, dass ausgerechnet diese auf handfeste Werte fixierte Szene nun verstärkt auf virtuelle Bits und Bytes setzt.

Doch US-Starökonom Paul Krugman schlägt genau in diese Kerbe und hält es für entscheidend, dass Währungen auch tatsächlich als Zahlungsmittel verwendet werden: „Was wir von einem monetären System wollen, ist nicht, dass es Leute reich macht, die Geld horten. Wir wollen, dass es für Transaktionen genutzt wird und die Wirtschaft als Ganzes reich macht.“ Das sei beim Bitcoin nicht wirklich der Fall, auch wenn seine Verbreitung zunimmt.

Bitcoins selbst herstellen

Denn Nutzer können Bitcoins auch selbst am Computer herstellen, indem mit hoher Rechnerleistung hochkomplexe mathematische Formeln gelöst werden. Das Verfahren heißt im Fachjargon „Mining“ (schürfen). Die Produktion soll aber bei 21 Millionen Bitcoins eingestellt werden. Entstanden ist bisher rund die Hälfte davon. Diese gezielte Verknappung der Geldmenge ist vom früheren Goldstandard inspiriert und soll vor Inflation schützen.

Links: