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Pressestimmen zur Tirol-Wahl

Tirol erlebte am Sonntag keinen politischen Erdrutsch. Die politische Landschaft Tirols wird als zerklüftet beschrieben, und ebendies habe die Wähler zu Bewährtem greifen lassen, so ein Grundtenor der heimischen Printkommentatoren.

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Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter sitzt nach Ansicht von Alois Vahrner („Tiroler Tageszeitung“) nach der Wahl „fester im Sattel denn je“: „Der Umsturz in Tirol ist abgeblasen.“ Gezogen habe wohl vor allem die Warnung vor politischem Chaos und „italienischen Zuständen“. Auf Platter warte nun aber auch einiges an Arbeit, und „letztlich wird er auch versuchen müssen, die ÖVP-Zersplitterung zu beenden“.

Platter als „stabile Kraft“

Für „Standard“-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid gibt es in Tirol längst italienische Verhältnisse, nämlich eine Zersplitterung und Fragmentierung. Die ÖVP erleide einen „Braindrain“: Engagierte Funktionäre wenden sich aus Enttäuschung von ihrer Gesinnungsgemeinschaft ab. Das sei nicht nur in Tirol, sondern auch im Bund der Fall. Zu den Grünen meinte Föderl-Schmid: „Ihr Potenzial ist beschränkt.“

Platter sei es gelungen, sich als stabile Kraft zu präsentieren, so „Kurier“-Chefredakteur Helmut Brandstätter. Das sei in unsicheren Zeiten auch etwas wert. „Mal sehen, ob Frank Stronach durch sein Scheitern etwas lernt“, bei kurzer Analyse werde ihm klar werden, dass Politik komplizierter ist als Befehle ausgeben, Inserate schalten und Plakate kleben lassen.

„Im Westen nichts Neues“

Angesichts der breiten Konkurrenz habe Platter trotz der historisch schlechtesten Werte ein „sensationelles“ Ergebnis erreicht, schreibt „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak. Der wahre Wahlverlierer sei ausgerechnet die Partei, die von schwachen Regierungschefs und Skandalen immer gut gelebt habe: Trotz „Idealbedingungen“ habe die FPÖ verloren.

„Im Westen nichts Neues“, findet auch Claus Pandi in der „Kronen Zeitung“: „Weder die im Westen traditionell schwache SPÖ noch die angeschlagenen Freiheitlichen oder das mit erheblichen Startschwierigkeiten kämpfende Team von Stronach haben im Westen etwas Neues als Alternativen anbieten können.“ Platter werde in seiner nächsten Amtszeit weniger auf Harmonie achten müssen, denn hinter seinem Rücken fuhrwerkten die „vormodernen, agrarisch geprägten Seilschaften“. Als Wahlsieger könnte er nun durchgreifen.

„Stillstand“ in Tirol

Johannes Huber von den „Vorarlberger Nachrichten“ ortet „Stillstand“ in Tirol. Politiker seien offensichtlich bescheiden geworden, verwies er auf die fehlenden großen Ziele: „Im Grunde genommen hat die gestrige Landtagswahl deutlich gemacht, dass es in Tirol insbesondere im bürgerlichen Lager seit fünf Jahren einen Stillstand auf niedrigem Niveau gibt.“ Stronach sei gar nicht so weit gekommen, die Wähler anzusprechen, da er mit internen Auseinandersetzungen beschäftigt gewesen sei.

„Die vielen Jäger haben sich selbst dezimiert, der vermeintliche Hase ist fast ungeschoren davongekommen“, das stellt Walter Hämmerle in der „Wiener Zeitung“ fest. Bester Wahlhelfer für die beiden Regierungsparteien seien das „Bündel von Oppositionsparteien“ gewesen, das den Wählern deutlich vor Augen führe, dass auch in der Politik selten etwas Besseres nachkomme. In einer derartigen Situation erscheine die Fortsetzung der Großen Koalition in den Augen vieler Wähler das geringste Übel.

Stronach-Blamage als Reifezeugnis für die Wähler

Markus Ebert im „Neuen Volksblatt“ schreibt: „Dass das Team Stronach den Fuß nicht in die Landtagstür bekam, ist eine Wohltat und ein Reifezeugnis für die Wähler. Kasperliaden wie das Listen-Theater oder der Kandidaten-Aufruf, die Stronach-Liste nicht zu wählen, dürfen nicht belohnt werden.“ Auf Bundesebene könne die ÖVP vor dem nächsten Urnengang kommenden Sonntag „kräftig durchschnaufen“.

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