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Komponist der Höllen-Hymnen

Der Gitarrist und Mitbegründer der Thrash-Metal-Band Slayer, Jeff Hanneman, ist tot. Wie die US-Band auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, starb er am Donnerstag in einem Krankenhaus im Süden Kaliforniens an Leberversagen. Er wurde 49 Jahre alt.

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„Slayer ist am Boden zerstört, mitteilen zu müssen, dass ihr Bandmitglied und Bruder Jeff Hanneman heute Vormittag gegen 11.00 Uhr in der Nähe seines Wohnorts in Südkalifornien gestorben ist“, heißt es in der Mitteilung. „Er wird schmerzlich vermisst werden.“ Hanneman hinterlässt seine Ehefrau Kathy und drei Geschwister. Über die Ursache für das Leberversagen wurde nichts mitgeteilt, allerdings berichtet „Rolling Stone“ über einen Spinnenbiss im Jahr 2011, infolge dessen er sich mehreren Operationen hatte unterziehen müssen. Danach sei er bei Slayers Auftritten von Gary Holt, Mitglied der Band Exodus, ersetzt worden.

Stilprägende Songs

In der Thrash-Metal-Szene gilt Slayer (deutsch: Schlächter) seit Jahrzehnten als Institution. Zusammen mit Metallica, Megadeth und Anthrax bildet die Gruppe, die von Hanneman und Kerry King Anfang der 80er Jahre gegründete wurde, die „Big Four“. Slayer nahmen jedoch eine Sonderstellung ein. Während Metallica vom schwarzen Album an ihren Stil viele Jahre lang einem größeren Markt angepasst hatten und Megadeth und Anthrax etwas an Bedeutung verloren, hieß es von Slayer, sie seien sich treu geblieben. Auch die Plattenverkäufe blieben konstant.

Slayer-Bandmitglieder Jeff Hanneman, Kerry King, Tom Araya und Dave Lombardo

AP/Robert E. Klein

Jeff Hanneman, Kerry King, Tom Araya und Dave Lombardo (v. l. n. r.)

Hanneman war für den Erfolg der Band maßgeblich verantwortlich. Wenngleich eine weniger schillernde Figur als der für seine genreprägenden Soli gefeierte Leadgitarrist King und Sänger Tom Araya, schrieb Hanneman einige der wichtigsten Songs der Band, etwa „Angel of Death“ und „Raining Blood“ (beide vom 1986er-Album „Reign in Blood“) und vor allem das wohl bekannteste Lied, die eingängige Höllen-Hymne „South of Heaven“ (aus dem gleichnamigen Album von 1988).

Fasziniert von Krieg und Gewalt

Slayer gaben ihr Debüt bei einem Konzert in Huntington Beach (Kalifornien) im Jahr 1982. Bereits auf dem ersten, darauf folgenden Album „Show No Mercy“ hatte Hanneman einen Großteil der Songs geschrieben, darunter „Die by the Sword“ und „Black Magic“, die laut „Rolling Stone“ noch immer bei Konzerten gespielt werden. Das darauffolgende Album „Reign in Blood“ gilt in der Szene als Höhepunkt des Thrash-Metal - es sei in Sachen Tempo und Aggression ein Meilenstein gewesen, heißt es.

Hanneman wuchs in einer familiären Umgebung auf, die sich dem Militär verschrieben hatte. Seine offensichtliche Faszination für Krieg und Gewalt spiegelte sich in den Covers und T-Shirts der Band und in den Songs wider. In Verruf geriet die Band wegen des Textes zum Track „Angel of Death“, in dem mehr oder weniger verschleiert die Verbrechen des Nazi-Arztes Josef Mengele in Auschwitz beschrieben werden. Seither kämpfen Slayer gegen den Verdacht, mit den Nationalsozialisten zu sympathisieren. Das Gegenteil sei der Fall, hieß es stets. Der unsensible Umgang von Metalbands mit rechtsextremen Themen und Symbolen ist seit jeher Anlass für Debatten.

Legendäre Konzerte

Im Verlauf der kommenden Jahre und Alben zog sich Hanneman vom Texten weitgehend zurück (wenn auch nicht vollkommen), zeichnete aber weiter für die Komposition vieler Songs verantwortlich. Mit Slayer ging er bis zu seiner Erkrankung 2011 unermüdlich auf Tour. Auch in Österreich waren Slayer regelmäßig zu Gast. An der Band faszinierte Fans immer auch die körperliche Ausnahmeleistung. Nicht nur der Schlagzeuger strapazierte seine Muskeln und Ausdauer bis an die Grenzen des Möglichen. Auch die furiosen Doppelsoli von Hanneman und King schienen kaum steigerbar.

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