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Supercomputer und Schussanlage

In der Recyclinganlage in Amstetten landen diverse Altstoffe, die Schritt für Schritt immer feiner voneinander getrennt werden und danach zu neuen Rohstoffen verarbeitet werden. Die ORF.at-Bilderstrecke zeigt, wie aus einem alten Computer ein neuer Staubsauger wird.

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Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

ORF.at/Christian Öser

In der Recyclinganlage wird zunächst die Spreu vom Weizen getrennt. Neben der großen Menge an Elektroaltgeräten landen nämlich etwa auch alte Autokarosserien in der Anlage. Bevor diese im Schredder zerkleinert werden, müssen zuerst alle Treibstoffreste entfernt werden, um Explosionen zu verhindern. Wenn etwa im Kofferraum eines Autos noch ein alter Campingkocher unentdeckt bleibt, gibt es manchmal trotzdem einen kleinen Knall. Der Schredder nimmt davon allerdings keinen Schaden.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Der Schredder zerlegt Autowracks, Altgeräte und sonstigen Unrat mit der Gewalt von Dutzenden Hämmerchen in kleine Teile. Mit Hilfe eines Magneten werden dabei Eisenmetalle von nicht eisenhaltigen Metallen getrennt. Die Eisenmetalle, die - vor allem dank der Autowracks - den Löwenanteil der recycelten Altmetalle ausmachen, werden danach per Lkw und Zug an Stahlwerke geliefert. Dort werden sie zur Produktion von neuem Metall eingeschmolzen.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Die Nichteisenmetalle werden dagegen direkt in der Recyclinganlage weiterverarbeitet und in immer kleinere Bestandteile zerlegt. In einer erst kürzlich eröffneten, zweiten Schredderanlage in Amstetten machen Elektroaltgeräte fast die Hälfte der geschredderten Gesamtmasse aus.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Die Masse an Altgeräten, die in der Anlage recycelt werden, ist vielfältig. Neben unzähligen alten Computern, Tastaturen und ausgedienten Schreibmaschinen finden sich auch alte Bügeleisen, Ventilatoren, Kameras und Bohrmaschinen in den Haufen.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Immer wieder sind auch Kuriositäten zu finden - hier etwa ein alter Spielautomat, aus dem ein Arbeiter der Anlage eine Hand voll Fünf-Schilling-Münzen vor dem Schredder gerettet hat.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Bevor die Elektroaltgeräte im Schredder zerkleinert werden, müssen allerdings noch enthaltene Schadstoffe entfernt werden. Das passiert mit Hilfe eines patentierten „Smashers“, in dem die Geräte aus großer Höhe auf den Boden geschleudert werden und dabei in ihre einzelnen Bestandteile zerfallen. Danach gelangen die Teile auf ein Förderband, wo schadstoffhaltige Teile wie etwa Akkus, Druckerpatronen oder Kondensatoren von Mitarbeitern händisch aussortiert werden.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Ausgediente Mobiltelefone werden so lückenlos wie möglich extra gesammelt und an Spezialfirmen weitergeliefert, die sich auf deren Recycling spezialisiert haben. Die Wiederaufbereitung von Handyakkus ist besonders komplex, weil diese im Gegensatz zu herkömmlichen Batterien aus mehreren Metallen bestehen, die vor dem Recyclingprozess erst wieder getrennt werden müssen. Vor allem die Wiederaufbereitung von Lithium, das in vielen Handyakkus vorkommt, steckt derzeit noch in den Kinderschuhen.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Auch alte Leiterplatten aus Computern und anderen Geräten werden gesondert gesammelt. Im folgenden Prozess werden die Platten weiter in ihre Einzelbestandteile aufgesplittet.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Nachdem die Leiterplatten zerkleinert wurden, folgt die Trennung der Wertstoffe mit Hilfe von verschiedenen technischen Verfahren. Enthaltenes Aluminium und Kupfer werden etwa mit einer „Schwimm-Sink-Anlage“ nach Dichte voneinander getrennt: In mit Eisenpulver angereichertem Wasser in einem Becken sinkt das schwerere Kupfer ab, das leichtere Aluminium schwimmt an der Oberfläche.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Ein weiteres Verfahren trennt Aluminium und Kupfer mit moderner Computer- und Kameratechnik. Ein Haufen wie dieser, der aus den Resten von Leiterplatten besteht, gelangt dabei auf ein Förderband. Darüber installierte Kameras unterscheiden grün (Leiterplatte) von grau (Aluminium) und senden die Information an einen Computer.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Dieser extrem leistungsstarke Computer wiederum gibt die Information blitzschnell an eine Art Schussanlage weiter. Kleine Düsen mit starkem Luftdruck „schießen“ mit bis zu 150.000 Schüssen pro Minute die grünen Teile am Ende des Förderbandes ab und beeinflussen so deren Flugbahn. Dadurch landen die grünen Leiterplatten- in einem anderen Auffangbehälter als die grauen Metallreste.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Und so werden aus einem grün-grauen Haufen zwei - fein säuberlich nach Farben, also Materialien, getrennt.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Die diversen Kunststoffreste aus Altgeräten (etwa von Kabelisolierungen, Verbindungsteilen, Kunststoffgehäusen etc.) kommen gesondert - und zerkleinert - aus dem Schredder. In weiteren aufwendigen technischen Verfahren werden verschiedene Kunststoffe erneut voneinander getrennt und danach bei 250 Grad Celsius eingeschmolzen.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Der erhitzte und flüssige Kunststoff wird mit Düsen aus den Schmelzkesseln gepresst. Ein Becken mit kaltem Wasser kühlt die spaghettiartigen Kunststofffäden ab und lässt sie erhärten.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Danach werden die Kunststoffschnüre in kleine Pellets geschnitten. Nach mehreren Qualitätskontrollen werden diese schließlich in Säcken abgepackt an verschiedene Hersteller geliefert.

Recyclingbetrieb Müller-Guttenbrunn in Amstetten

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Dort werden die Pellets erneut eingeschmolzen und zu recycelten neuen Produkten verarbeitet. Das Spektrum reicht von Kaffeemaschinen und Warnwesten bis hin zu Computertastaturen und Staubsaugern.

Martin Tschiderer, ORF.at

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