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„Es stimmt“

Papst Franziskus hat die Existenz einer „Schwulen-Lobby“ im Vatikan eingeräumt. „In der Kurie gibt es fürwahr heilige Leute. Aber es gibt auch eine korrupte Strömung. Man spricht von einer ‚Schwulen-Lobby‘, und es stimmt, sie existiert“, sagte Franziskus einem Medienbericht zufolge kürzlich gegenüber lateinamerikanischen Ordensleuten in Rom.

Die katholische chilenische Website Reflexion y Liberacion veröffentlichte am Dienstag eine Mitschrift der Aussagen des argentinischstämmigen Papstes bei einem Treffen mit Vertretern des Verbandes von Ordensleuten Lateinamerikas und der Karibik (CLAR). Die Authentizität des Protokolls wurde von dem Ordensleuteverband bestätigt, auch der Vatikan dementierte die dem Papst zugeschriebenen Aussagen nicht.

„3.525 Rosenkränze“ als Geschenk

In der mit 6. Juni datierten Ansprache bezog Franziskus sowohl gegen den erzkonservativen als auch gegen den liberalen Kirchenflügel Stellung. So machte er sich lustig über Traditionalisten, die ihm nach seiner Papst-Wahl in einem Brief „3.525 Rosenkränze als besonderes spirituelles Geschenk“ dargebracht hätten. „Warum sagen die nicht einfach: ‚Wir beten für Sie‘?“ Die Glaubenspraktiken aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) hätten sich überlebt, betonte der Papst.

Doch auch mit einer allzu liberalen Interpretation des Glaubens kann der argentinische Jesuit wenig anfangen. „Ich kannte eine Oberin, die ihren Schwestern empfahl, statt des Morgengebets ein spirituelles Bad im Kosmos zu nehmen“, hatte der Pontifex auch dafür eine launige Illustration parat. „Das Evangelium ist weder das alte Regelwerk noch dieser Pantheismus. Das Evangelium sind die Armen“, bekräftigte der Papst sein Leitmotiv einer an den Nöten der einfachen Menschen orientierten Kirche.

Privates Treffen

Das Treffen hatte nach Angaben des Vatikans privaten Charakter. Wie die Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht auf Mittwoch meldete, lehnte es Vatikan-Sprecher Federico Lombardi ab, zu den kolportierten Papst-Aussagen Stellung zu nehmen. Die Ordensvereinigung CLAR beklagte, dass die Mitschrift veröffentlicht wurde. Die Aussagen dürften den Spekulationen über die Hintergründe der „Vatileaks“-Affäre, die nach Ansicht von Beobachtern mit zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. beigetragen hatte, neuen Schwung verleihen.

Die italienische Zeitung „La Repubblica“ hatte im Februar berichtet, Benedikts Rücktritt könne mit einem geheimen Homosexuellennetzwerk im Vatikan zu tun haben. Demnach seien Kardinäle wegen ihrer „sexuellen Orientierung“ durch Laien erpressbar gewesen. Die Zeitung bezog sich auf einen 300-seitigen Geheimbericht zur „Vatileaks“-Affäre, den drei Kardinäle am 17. Dezember dem Papst vorgelegt hatten. Der Zeitungsbericht war damals allerdings vom Vatikan dementiert worden.

„Fast alle Kardinäle“ für Reform

Franziskus hatte nach seinem Amtsantritt eine Kardinalskommission eingesetzt, die Vorschläge für eine Reform der Kurie erarbeiten soll. Gegenüber den CLAR-Vertretern betonte der Papst, dass sich im Konklave „fast alle Kardinäle“ für eine Reform ausgesprochen hätten. Er selbst könne diese aber nicht durchsetzen, „weil ich sehr unorganisiert bin“. „Das werden die Kardinäle der Kommission vorantreiben“, sagte Franziskus, wobei er neben Kommissionsleiter Oscar Rodriguez Maradiaga auch den Münchner Erzbischof Reinhard Marx hervorhob.

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