Themenüberblick

Ölgigant fordert Geld zurück

Anwälte jener Firmen, die nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 um Entschädigungen kämpfen, beschuldigen den britischen Ölkonzern BP, ihre Klienten einzuschüchtern. Grund dafür ist das Vorgehen von BP gegen aus Sicht des Unternehmens „absurde“ und „aufgeblasene“ Schadenersatzforderungen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der Streit könnte den milliardenschweren Vergleich gefährden, mit dem BP und private Kläger einen langwierigen Gerichtsprozess abzuwehren versuchen. Wie die „Financial Times“ („FT“, Onlineausgabe) Mitte Juni berichtete, sandte BP Hunderte Briefe an die Anwälte von Unternehmen aus, die aus Sicht des Konzerns zu Unrecht oder zu hohe Schadensgelder erhalten haben. Darin droht BP den Unternehmen an, die Gelder zurückzufordern. Den Anwälten wird in dem Schreiben empfohlen, ihre Klienten auf die möglichen „Effekte“ solcher Forderungen hinzuweisen, um diese einzuplanen und budgetieren zu können.

Kläger Hunderte Kilometer von Küste entfernt?

Das britische Unternehmen ist der Ansicht, dass die Vergleichsvereinbarung viel zu großzügig interpretiert wird. Die Kosten würden damit für BP weit mehr als die kalkulierten acht Mrd. Dollar betragen. Unternehmen, die Hunderte Kilometer von der Küste entfernt seien, und solche, die in dem Jahr der Ölkatastrophe Einkommenssteigerungen erwirtschafteten, hätten Schadenersatzforderungen gestellt.

Steve Herman, Vorsitzender der Anwälte, die die Kläger vertreten, bezeichnete den Brief als „dumpfe Einschüchterungstaktik“, die „hinterlistig und unangebracht“ sei. BP verteidigte die Vorgehensweise laut „FT“ - man wolle mit den Schreiben niemanden einschüchtern, die Briefe sollten lediglich Anwälte darauf aufmerksam machen, dass man rechtliche Schritte gegen den Missbrauch von Schadensgeldern unternehme.

Imagekampagne mit Inseraten

BP scheint sich seiner Sache sicher zu sein und startete begleitend zu den Briefen eine neue Werbekampagne, in der sich das Unternehmen in der Opferrolle präsentiert. „Was Sie auch von BP halten, wir sind uns alle einig, dass es falsch ist, wenn jemand Geld nimmt, das er nicht verdient“, heißt es in Inseraten, die Ende Juni in drei führenden US-Zeitungen geschaltet wurden. Legitime Forderungen werde man natürlich weiterhin begleichen. Die Botschaft ist eine klare Abkehr der bisherigen Werbelinie in Bezug auf die Ölpest. Bisher hatte BP stets kommuniziert, alles tun zu wollen, um die Situation in der Golfregion in Ordnung zu bringen.

Bei dem Unfall vor drei Jahren auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko waren elf Menschen getötet worden. Wochenlang lief Öl aus und schädigte die Natur und die Wirtschaft in der Region. Bisher rechnet BP insgesamt mit Kosten von 42 Milliarden Dollar (32,6 Mrd. Euro) für die Ölkatastrophe.

EU nimmt Plattformbetreiber in die Pflicht

Als Folge der Ölkatastrophe entschied die EU kürzlich, Betreiber von Plattformen stärker in die Verantwortung zu nehmen. Die Unternehmen müssen einer Anfang Juni von den EU-Energieministern in Luxemburg verabschiedeten Richtlinie zufolge künftig nachweisen, dass sie über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um bei Unfällen für Umweltschäden aufzukommen.

Betreiber von Offshore-Plattformen zur Förderung von Erdöl und Erdgas müssen zudem nachprüfbar das notwendige technische Wissen für die Bohrungen haben. Sie werden zudem verpflichtet, den zuständigen Genehmigungsbehörden einen detaillierten Bericht über ihre Anlage, die Schutzvorkehrungen für die Beschäftigten und Notfallpläne vorzulegen, bevor sie eine Lizenz erhalten und mit den Bohrarbeiten beginnen können.

Links: