NR: Stiefkindadoption für Homosexuelle

Gleichgeschlechtliche Paare können in Zukunft das leibliche Kind des anderen Partners adoptieren. Die Vorgabe dazu kam vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Gestern spätabends verfügte der Nationalrat gegen die Stimmen der FPÖ und des BZÖ die entsprechende Gesetzesänderung. Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) hob hervor, dass auch bei der Stiefkindadoption zunächst eine Prüfung stattfinde, ob diese dem Kindeswohl entspreche.

Den Anstoß zu dem Beschluss gab ein in Österreich lebendes lesbisches Paar. Es hatte beim EGMR gegen die Weigerung der heimischen Gerichte geklagt, der Adoption des Sohnes der einen Frau durch die andere zuzustimmen, ohne dass damit die rechtliche Beziehung der leiblichen Mutter zu dem Kind aufgehoben worden wäre.

Reguläre Adoption weiter verschlossen

Die reguläre Adoption bleibt auch nach dem Beschluss heterosexuellen Paaren vorbehalten, was in der Debatte Kritik der Grünen hervorrief. Auch SPÖ-Mandatarin Sonja Steßl-Mühlbacher ärgerte sich über die „Scheuklappen der ÖVP“. Wegen dieser müsse man immer auf höchstgerichtliche Entscheidungen warten, um Änderungen durchführen zu kommen.

Die ÖVP wies diese Kritik zurück und argumentierte das Nein zu einer Öffnung der allgemeinen Adoption für Homosexuelle damit, dass man Kindern den hohen gesellschaftlichen Druck nicht zumuten wolle. Zudem bräuchten Kinder Mütter und Väter, so die Abgeordnete Karin Hakl. Gleich argumentierte Christoph Hagen vom Team Stronach.