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Sieg der Protestanten

Der im Jahr 1795 gegründete Oranier-Orden ist die einflussreichste protestantische Bruderschaft in Nordirland und verfügt nach eigenen Angaben über 80.000 Mitglieder. Der Orden betrachtet sich als Bollwerk gegen die von den Katholiken gewünschte Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland.

Die Mitglieder des protestantischen Oranier-Ordens, die mit schwarzen Melonen, Schärpen und Bannern durch nordirische Ortschaften ziehen, feiern ihren Sieg über die Katholiken im 17. Jahrhundert. Mit über 500 Märschen erinnern die Oranier jedes Jahr an die Schlacht am Boyne-Fluss zwischen Truppen des niederländischen Königs Wilhelm von Oranien und des katholischen englischen Königs Jakob II. im Jahr 1690.

Mit Dudelsack und Schwertern

Unter den Rufen „Keine Kapitulation“ und „Keinen Zentimeter“ ziehen die probritischen Ordensmitglieder während der Sommermonate durch nordirische Städte. Die Anhänger, die weiße Handschuhe, historische Schwerter, Piken und Banner mit religiösen Sprüchen tragen, werden von lauten Dudelsackmelodien und Trommeln begleitet. Die Loyalisten, Nachfahren protestantischer englischer Bauern, wehren sich gegen nationalistische Bestrebungen, die von Großbritannien regierte nordirische Provinz Ulster wieder mit der Republik Irland zu vereinen.

Dem nordirischen Oranier-Orden gehören auch viele einflussreiche Politiker an. Auch in Schottland, Irland, Kanada und Neuseeland gibt es Oranier-Orden. Die Triumphmärsche werden von der katholischen Bevölkerung stets als unerträgliche Provokation empfunden. Die ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen bei einem Oranier-Marsch gab es bereits 1813 in Belfast.

Übermacht aus Söldnern

Bei der Schlacht am Fluss Boyne traf Jakob II. nach schweren Verlusten nur noch mit rund 21.000 Man ein. Ihm Gegenüber stand eine Übermacht aus 36.000 Soldaten unter der Führung von Wilhelm III. Wilhelm schickte niederländische Blaue Garden, zwei Regimenter französischer Hugenotten und dänische, preußische, finnische und Schweizer Söldner ins Feld und schlug die Katholiken vernichtend. Doch Jakob konnte fliehen, setzte den Krieg gegen Wilhelm in Irland noch ein Jahr lang fort.

Nach dem julianischen Kalender fand die Schlacht am 1. Juli statt, das entspricht dem 11. Juli laut gregorianischem Kalender. Die Feiern finden traditionell am Tag darauf statt. Der Sieg Wilhelms sicherte den Protestanten den britischen Thron und legte den Grundstein für die jahrhundertelange Unterdrückung der katholischen Bevölkerung Irlands. Am Tag der Schlacht werden im ganzen Land Freudenfeuer angezündet.

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