Indien schafft nach 162 Jahren Telegramme ab

Im Zeitalter von Smartphones und E-Mails verabschiedet sich nun auch Indien dieser Tage von einer über 160 Jahre alten Tradition in der Telekommunikation - vom Telegramm. Offiziell wird der Dienst zwar erst am Montag eingestellt, tatsächlich aber konnten die Fernschreiben heute zum letzten Mal verschickt werden. Am Montag ist in Indien Feiertag.

In Österreich seit 2006 nicht mehr möglich

In Österreich war der Dienst der Telekom Austria mit 31. Dezember 2005 eingestellt worden; gegen Ende der Ära wurden pro Monat nur noch deutlich unter 10.000 Telegramme versendet - den Höchstwert hatte es im Gesamtjahr 1913 mit 23 Millionen Stück gegeben.

Bis zum Siegeszug von Handy und Internet waren Telegramme in Indien das Hauptkommunikationsmittel für den Versand von Nachrichten über lange Strecken. 1947 etwa, im Jahr der indischen Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft, wurden 20 Millionen Nachrichten verschickt. 2012 waren es noch 40.000 Telegramme. Die Bevölkerung hatte sich inzwischen vervierfacht. Heute leben 1,2 Milliarden Menschen auf dem Subkontinent.

Bis zuletzt 75 Telegrammbüros

Zuletzt gab es noch 75 Telegrammbüros auf dem Subkontinent. Das zuständige Ministerium für Telekommunikation beschäftigte noch knapp 1.100 Telegrafisten. Diese werden künftig an anderer Stelle in den Diensten des Ministeriums arbeiten. Die bis zuletzt immer persönlich durch Boten überbrachten Telegramme mit Nachrichten wie über Geburten, Todesfälle oder andere wichtige Ereignisse sind ab kommender Woche in Indien also Geschichte.