Themenüberblick

Weltweit 427 Reaktoren in Betrieb

Weltweit wird immer weniger Energie mit Atomkraftwerken generiert, weil immer mehr Atommeiler heruntergefahren werden. 2012 ist die produzierte Atomstrommenge im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent zurückgegangen. Bereits 2011 war im Vorjahresvergleich weltweit vier Prozent weniger Atomstrom produziert worden.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Das ist dem diesjährigen World Nuclear Industry Status Report (WNISR) des Pariser Energieberatungsunternehmens Mycle Schneider zu entnehmen ist, der am Donnerstag im Europaparlament in Brüssel vorgestellt wurde. Die Studie wurde von Stiftungen unterstützt - etwa der Schweizerischen Energie-Stiftung oder der Heinrich-Böll-Stiftung.

Weltweit sind derzeit 427 Atomstromreaktoren in Betrieb, 17 weniger als noch vor zehn Jahren. Der von diesen Reaktoren produzierte Strom macht rund zehn Prozent der Gesamtmenge aus. Anfang der Neunzigerjahre lag der Anteil an Kernenergie noch bei 17 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden 2.346 Terawattstunden (TWh) Strom aus Atomkraftwerken erzeugt und damit zwölf Prozent weniger als vor sechs Jahren. Im Vergleich zu 2011 ergibt das einen Rückgang um sieben Prozent.

Rückgang vor allem wegen Japan

Rund drei Viertel des weltweiten Rückgangs seien allerdings auf die Situation in Japan nach der Erdbebenkatastrophe vom März 2011 zurückzuführen, schreiben die Studienautoren des WNISR weiter. Als Folge davon sind sämtliche Reaktoren des Landes für Sicherheitsprüfungen abgeschaltet worden. Derzeit sind in Japan lediglich zwei der vormals 44 Reaktoren in Betrieb. Vier sollen noch in diesem Sommer wieder ans Netz gehen.

Neben Japan fuhren 16 weitere Länder ihre Atomstromproduktion zurück - inklusive der fünf großen Atomstaaten USA, Frankreich, Deutschland, Südkorea und Russland.

AKWs immer teurer

In den letzten zehn Jahren seien zwar 34 neue Reaktoren ans Netz gegangen, gleichzeitig aber 53 heruntergefahren worden, halten die Studienautoren fest. Mit Stand Anfang Juli waren 66 Reaktoren im Bau, sieben mehr als im Juli des Vorjahres. Die durchschnittliche Bauzeit wird mit acht Jahren angegeben. Allerdings machen die Wissenschafter darauf aufmerksam, dass sich neun der 66 Reaktoren seit mehr als zwanzig Jahren und weitere vier seit mehr als zehn Jahren als „im Bau“ befinden.

Zudem seien mindestens 23 von Bauverzögerungen betroffen. Und, so die Autoren, 54 Prozent der Projekte hätten kein offizielles, bei der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) gemeldetes Datum für den Baubeginn. Die Bauzeit der 34 neu in Betrieb genommenen Reaktoren betrug laut Report durchschnittlich 9,4 Jahre.

Die Baukostenschätzungen erhöhten sich im vergangenen Jahrzehnt von 1.000 Dollar je Kilowatt installierter Leistung auf mittlerweile 7.000 Dollar (für ein neues AKW der sogenannten dritten Generation). Das weltweite Durchschnittsalter der Reaktoren in Betrieb liegt bei 28 Jahren.

Links: