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Ruf nach niedrigeren Strompreisen

Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) drängt die E-Wirtschaft zu mehr Wettbewerb und zu Strompreissenkungen für private Haushaltskunden. In den letzten fünf Jahren sei Elektrizität auf Großhandelsebene 30 Prozent billiger geworden, diese Ermäßigungen seien aber nicht entsprechend an die Haushalte weitergegeben worden, sagte der Minister am Mittwoch vor Journalisten.

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Als Senkungsspielraum nannte er eine Bandbreite von null bis zehn Prozent. Grundsätzlich sei Österreich international aber preisgünstig, insbesondere verglichen mit dem durch hohe Ökostromförderungen belasteten Deutschland: „In Österreich haben wir um 25 Prozent günstigere Stromkosten“, so Mitterlehner.

Industrie zahlt nur 8,8 Cent

In Österreich müsse ein Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch 54 Euro an Ökostromkosten zahlen, in Deutschland dagegen 190 Euro. Denn dort beträgt die Ökostromförderung schon 5,3 Cent/kWh, diskutiert wird eine weitere Anhebung auf sechs Cent - in Österreich sind es dagegen nur 1,5 Cent je Kilowattstunde. Daher kostet Haushaltsstrom hier samt allen Steuern, Abgaben und Netzentgelten 20,0 Cent, in Deutschland aber 28,5 Cent/kWh - bei aktuell zeitweise nur vier, fünf Cent/kWh Großhandelsstrompreis.

Besser kommt auch in Österreich die Industrie weg, die wegen ihrer stärkeren Marktmacht im Vorjahr nur 8,8 Cent/kWh berappen musste. Bei den Haushaltspreisen lag Österreich 2012 leicht unter dem EU-15-Schnitt, bei den Industriepreisen leicht darüber.

Wettbewerb funktionierte nur bis 2007

Bis 2007 habe der Wettbewerb auf dem Strommarkt in Österreich gut funktioniert, resümierte Mitterlehner die ELWOG-Novellen der letzten 13 Jahre - dann habe sich aber der Wettbewerb abgeschwächt, mit entsprechenden Preisauftriebstendenzen. Seit 2008 sei hier bei den Haushaltspreisen eine Stagnation eingetreten, während für Industriekunden Strom weiter billiger wurde, so der Wirtschaftsminister.

Zeigen die nächsten Wochen und Monate, dass die Energiebranche nicht dazu bereit sei, bei Stromverbilligungen für Haushaltskunden als Untergrenze zumindest den Ökostromzuschlag (1,5 Cent/kWh) zu kompensieren, sei die Regulierungsbehörde E-Control am Zug, sagte Mitterlehner. Denn die E-Control habe ja Einsichtnahme in die Strombeschaffungsstrategien der Versorger verlangt und diese vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) auch zugesprochen bekommen, erinnerte der Energieminister.

Weist Argument der Branche zurück

Das Argument der Versorger, sie müssten sich ihre Stromkontingente für die Haushaltskunden bereits Jahre vorher sichern und könnten diesen deshalb keine weiteren Preiszugeständnisse machen, lässt Mitterlehner mit dem Hinweis nicht gelten, dass die Großhandelspreise auf europäischer Ebene auch mindestens die nächsten zwei, drei Jahre nicht nach oben gehen dürften.

Zudem plant Mitterlehner weiterhin die Verankerung einer Beweislastumkehr bei Überschreiten ortsüblicher Preise im Kartellgesetz, obwohl der dort geplante Paragraf 5a schon einmal am Parlament gescheitert ist. Wenn die Versorger dementsprechend ihre Kalkulationsunterlagen vorlegen müssten, entspräche das auch den Intentionen der Energie-Control, meinte der Minister. Diese „Beweislasterleichterung“ sei keine Wettbewerbseinschränkung und solle in das Programm der nächsten Regierung nach der Nationalratswahl von September kommen, so Mitterlehner.

„Unsere Preise sind fair“

Die Interessenvertretung der heimischen E-Wirtschaft, Oesterreichs Energie, wies in einer ersten Reaktion die Vorwürfe eines mangelnden Wettbewerbs und zu hoher Haushaltsstrompreise zurück: „Unsere Preise sind fair und angemessen“, hieß es zur APA. Die Kalkulation und Preisgestaltung der einzelnen Mitgliedsunternehmen kenne man nicht.

Aber der vom Minister angesprochene Fünfjahresvergleich eigne sich nicht sonderlich, da 2008 die Stromgroßhandelspreise nur kurz recht hoch gewesen seien - ehe die Wirtschaft wegen der Finanzkrise einbrach -, doch seien diese hohen Preise nie bei den Kunden angekommen: „Jetzt zahlen die Kunden etwa so viel wie 2004/05.“

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