Über 1.000 Häftlinge aus Gefängnis in Libyen ausgebrochen

Aus einem Gefängnis in der Nähe der ostlibyschen Stadt Bengasi sind mehr als 1.000 Gefangene ausgebrochen. Wie der libysche Journalist Suleiman al-Dressi unter Berufung auf Sicherheitskräfte und Augenzeugen im Nachrichtensender al-Jazeera berichtete, brach gestern in der Haftanstalt al-Kufija eine Revolte aus. Die Häftlinge wollten die Unruhen in Bengasi nach der Ermordung des Islamismus-Kritikers Abdel Salam al-Mismari am Vortag für sich nutzen.

Drei von ihnen wurden von den Wachmannschaften getötet. Doch im Anschluss daran gewannen die Häftlinge die Oberhand, weil ihnen Bewohner der anliegenden Gebiete halfen. Diese wollen das Gefängnis schon seit längerem nicht mehr in ihrer Umgebung haben.

Hunderte Gegner der Islamisten stürmten unterdessen Büros der libyschen Muslimbruderschaft in der Hauptstadt Tripolis und in Bengasi. Sie protestierten gegen die Ermordung Mismaris, eines bekannten Menschenrechtsaktivisten und Kritikers der Muslimbrüder.

Regierung soll umgebildet werden

Angesichts der gewaltsamen Proteste soll nun die Regierung umgebildet werden. Die Zahl der Ministerien solle reduziert werden, um eine bessere Leistung in der derzeitigen Lage zu erreichen, sagte Regierungschef Ali Seidan.

Gewalt weiterhin zentrales Problem

Mismaris war landesweit unter anderem durch Fernsehauftritte bekannt, in denen er die Präsenz bewaffneter Milizen auf Libyens Straßen kritisiert und gegen die Muslimbruderschaft Stellung bezogen hatte. In Libyen ist die massive Gewalt zwei Jahre nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi ein großes Problem beim Wiederaufbau des nordafrikanischen Landes. In Bengasi waren auch zwei Angehörige des Militärs erschossen worden.