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Pressestimmen

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„Politiken“, Kopenhagen, 2.8.2013

In einer idealen Welt wäre eine Klage gegen Snowden eine gute Gelegenheit, um die notwendige Diskussion über die Überwachung der Bürger zu führen. Dass Snowden jetzt Asyl in Russland bekommt, kann den Fall leider darauf reduzieren, ob er ein Held oder ein Verräter ist. (...) Es ist bedauerlich, wenn die wichtige Diskussion über die Überwachung nun von den diplomatischen Schwierigkeiten überschattet wird, zu denen Snowdens Offenlegungen geführt haben. Russlands Asylgewähren kann die Beziehung zwischen den beiden Supermächten des Kalten Krieges wieder auf den Gefrierpunkt bringen. Aber der Kampf für die Privatsphäre ist viel wichtiger, als wo in der Welt sich der 30-jährige Whistleblower aufhält.

„De Volkskrant“, Amsterdam, 2.8.2013

Die Obama-Regierung, die im vorigen Jahr noch Pläne zum Schutz von Whistleblowern lanciert hatte, will den „Verräter“ Snowden um jeden Preis in den USA vor Gericht stellen. Für Präsident Putin - in dessen Land noch vor kurzem der verstorbene Whistleblower Magnizki für schuldig befunden und ein noch lebender (Nawalny) zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt wurden - war die Aufnahme eines geflohenen amerikanischen Whistleblowers ein ideales Instrument, um im Propagandawettstreit mit dem Westen zu punkten. Ungeachtet dessen hatte Putin eigentlich wohl rasch genug davon - vielleicht, weil er als Altspion heimlich zu jener Minderheit von Russen (und Amerikanern) gehört, die Snowden als Verräter ansehen.

„Frankfurter Allgemeine“, 2.8.2013

Nun ist es ausgerechnet Wladimir Putin, der mit unverhohlener Freude die Rolle des Anwalts von Meinungsfreiheit und Menschenrechten spielt und den Amerikaner für vorerst ein Jahr aufnimmt. Derselbe Putin hat aber auch reichlich Freude daran, politische Gegner mit fadenscheinigen Anschuldigungen aus dem Verkehr ziehen zu lassen. Alexej Nawalny, der prominenteste unter ihnen, wurde gerade zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt. Sein Vergehen: Er hatte Korruption in russischen Behörden und Staatsunternehmen aufgedeckt.

„Die Welt“, Berlin, 2.8.2013

Alles hat seinen Preis. Das gilt auch für das vorläufige Asyl, das Edward Snowden in Putins Russland gewährt wird. In Geheimdienstkreisen muss man liefern, um etwas zu bekommen. Abgesehen von allen Irrungen des 30-jährigen IT-Fachmanns bleiben Fragen, auf die jede Antwort schwerfällt. Am wichtigsten, wie zu verhindern ist, dass die technischen Fertigkeiten auf immer den moralisch-politischen Fähigkeiten davoneilen. Es wird ja, was möglich ist, früher oder später auch Wirklichkeit - allen frommen Wünschen zum Trotz.

„Süddeutsche Zeitung“, München, 2.8.2013

Vertauschte Rollen also: Amerika als böser Bube, der im Westen wegen seines Überwachungswahns am Pranger steht. Und Russland als rettende Oase für einen Gehetzten, den der Westen zwar irgendwie mutig findet, aber doch lieber nicht bei sich haben will. Doch Snowden wird einen Preis zahlen müssen. In Russland mag er sicher sein, aber nicht frei. Der Amerikaner dürfte scharf kontrolliert werden. Und er wird wohl nur äußern können, was Moskau international nicht schadet. Sonst könnte Russland ihn schnell rauswerfen.

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