Themenüberblick

Manning schrieb Geschichte

Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform WikiLeaks von zum Teil streng geheimen US-Militärdokumenten haben 2010 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Der US-Soldat Bradley Manning hatte die Informationen geliefert. Anhänger verehren Manning als Helden, der schmutzige Wahrheiten der Kriege im Irak und in Afghanistan ans Licht brachte. US-Militärs verachten ihn dagegen als Verräter.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Durch das Weiterreichen Hunderttausender US-Geheimdokumente an die Enthüllungsplattform WikiLeaks schrieb der heute 25-Jährige Internetgeschichte.

Für die US-Regierung wurden die Enthüllungen Mannings zum Informations-GAU: Aufnahmen von Luftangriffen im Irak und in Afghanistan, auf denen das Militär Zivilisten tötet, sowie Berichte über Guantanamo-Häftlinge und eine Viertelmillion Depeschen von US-amerikanischen Diplomaten.

Auf Bin Ladens Rechner gefunden

Wusste der Obergefreite, dass diese geheimen Informationen, die er der Enthüllungsplattform WikiLeaks zuspielte, in die Hände der Terrororganisation Al-Kaida gelangen würden? Eine US-Spezialeinheit fand die Dokumente auf dem Computer von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden. Dagegen machten seine Anwälte geltend, ihr Mandant habe lediglich „historische Informationen“ weitergegeben. Vor allem aber sei es nicht seine Absicht gewesen, dem Feind zu helfen.

Manning diente als Geheimdienstanalyst in der US-Armee. Seine Motive beschrieb er wie folgt: „Wenn Du freien Zugang zu Geheimdokumenten hast“, zitiert ihn ein Unterstützernetzwerk, „und Du unglaubliche, schreckliche Dinge siehst (...), Dinge, die an die Öffentlichkeit gehören (...) Was würdest Du tun?“ Er fügte hinzu: „Ich möchte, dass die Menschen die Wahrheit sehen.“

Psychische Probleme bei Irak-Einsatz

Manning wuchs in einer Kleinstadt in Oklahoma im Mittleren Westen der USA auf. Nach der Scheidung der Eltern zog er zeitweise mit seiner Mutter nach Wales in Großbritannien. Bereits früh habe der Jugendliche begonnen, sich für Computer zu interessieren, schreibt die „Washington Post“. Später habe der Hochbegabte, der in der Schule oft gehänselt worden sei, zur Hackerszene Kontakt aufgenommen.

Nach der Schule kehrte er in die USA zurück. Nachdem er sich einige Zeit lang mit Nebenjobs über Wasser hielt, trat er in die Armee ein. 2009 kam er mit seiner Truppe in den Irak. Dort habe er psychische Probleme bekommen und einen Zusammenbruch erlitten. Auch seine Homosexualität habe ihm Probleme bereitet.

Nackt vor den Wärtern

Nach den spektakulären WikiLeaks-Enthüllungen 2010 wurde Manning im Irak festgenommen. Während seiner Haft in den USA beklagte er sich über unwürdige Bedingungen. Zeitweise sei er gezwungen worden, sich jeden Abend vor den Wärtern nackt auszuziehen. Manning hat zugleich eine eingeschworene Unterstützergemeinde - so gibt es eine Kampagne „I am Bradley Manning“. Auch Hollywood-Stars, etwa Oliver Stone und Maggie Gyllenhaal, verteidigen Mannings Vorgehen und sprachen sich öffentlich für ihn aus.

Links: