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Kritik von Bürgerrechtlern

Während die Enthüllungsplattform WikiLeaks von einem „strategischen Sieg“ sprach, kritisierten Bürgerrechtler die Verurteilung des WikiLeaks-Informanten Bradley Manning scharf. Auch Russland kritisierte das Strafausmaß.

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Bürgerrechtler haben die Haftstrafe gegen den WikiLeaks-Informanten Manning als unverhältnismäßig kritisiert. Sie fürchten, dass das Urteil andere Menschen davon abhalten könnte, Informationen über Missstände an die Medien weiterzugeben.

Aufgrund des harten Vorgehens gegen Informanten „werden Journalisten in den USA bald immer weniger in der Lage sein, Fehlverhalten von Regierung und Behörden aufzudecken“, erklärte Michael Rediske von der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) . Die nationale Sicherheit werde seit den Anschlägen vom 11. September 2001 immer wieder als Argument gegen Pressefreiheit und andere Bürgerrechte ausgespielt, kritisierte die Journalistenorganisation.

„Trauriger Tag“

Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU sprach von einem „traurigen Tag“. Wenn ein Rechtssystem nicht zwischen Verrat und der Weitergabe von Informationen unterscheide, um eine öffentliche Debatte anzustoßen, führe das zu ungerechten Ergebnissen. Der Öffentlichkeit würden so wichtige Informationen vorenthalten, erklärte die ACLU. Manning werde härter bestraft als andere, die für Folter von Gefangenen verantwortlich seien.

Ähnlich reagierte Amnesty International. Die USA sollten lieber Menschenrechtsverletzungen in Zusammenhang mit dem „Kampf gegen den Terror“ nachgehen, erklärte Widney Brown für die Bürgerrechtsorganisation. „Bradley Manning hat aus dem Glauben heraus gehandelt, er könne eine wichtige öffentliche Debatte über die Kosten des Krieges anstoßen.“ Das Anti-Spionage-Gesetz der USA müsse dringend überarbeitet werden, forderte sie.

„Warum traut Snowden dem US-System nicht?“

Der Journalist Glenn Greenwald verglich den Fall von Manning mit dem des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. „Oh, ich frage mich, warum Snowden dem US-Justizsystem als Whistleblower nicht traut“, schrieb er in dem Onlinenetzwerk Twitter. Greenwald arbeitet mit Snowden zusammen, um Informationen über Internetüberwachung durch britische und US-Geheimdienste öffentlich zu machen.

WikiLeaks sprach in einer ersten Reaktion dagegen von einem „strategischen Sieg“: Das Urteil bedeute, dass Manning nach weniger als neun Jahren Haft um Entlassung ansuchen könne. Unterstrichen wurde jedoch, dass das Urteil an sich „furchtbar“ sei. Manning habe über Kriegsverbrechen informiert und bekomme dafür eine höhere Strafe als diejenigen, die solche Verbrechen begingen.

Verwandte von Manning erklärten, das Strafmaß sei geringer ausgefallen, als sie erwartet hätten. Mannings in Großbritannien lebender Onkel Kevin Fox sagte dem Sender BBC: „Er hätte überhaupt nicht bestraft werden sollen. Meiner Ansicht nach ist er ein Held.“

Moskau: „Ungerechtfertigt harsch“

Russland sprach von einer „ungerechtfertigt harschen“ Strafe. Der für Menschenrechte zuständige Mitarbeiter im Außenministerium, Konstantin Dolgow, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, Washington lege eine „Doppelmoral“ an den Tag, sobald US-Interessen auf dem Spiel stünden und nehme keine Rücksicht auf die Wahrung der Menschenrechte.

Promis reagieren im Netz

Auch Stars wie Lady Gaga haben bestürzt auf die 35-jährige Haftstrafe für den WikiLeaks-Informanten Manning reagiert. „Die Nachricht von Bradley Mannings Verurteilung ist verheerend“, schrieb die Popsängerin bei Twitter, wo ihr fast 40 Millionen Menschen folgen. „Wenn wir selber nicht mehr laut über Ungerechtigkeit reden können, wer dann? Wie werden wir jemals mehr vorankommen?“

Der Gitarrist der Band Rage Against The Machine, Tom Morello, twitterte: „Wir verfolgen aggressiv diejenigen, die Kriegsverbrechen aufdecken, und schützen sorgsam jene, die sie begehen.“ Schon vor Wochen hatten sich US-Prominente wie Regisseur Oliver Stone und Schauspielerin Maggie Gyllenhaal demonstrativ hinter den WikiLeaks-Informanten gestellt und ein Onlinevideo mit dem Motto „I am Bradley Manning“ („Ich bin Bradley Manning“) veröffentlicht.

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