Türkische Polizei geht mit Tränengas gegen Studenten vor

Bei Protesten Hunderter Studenten gegen ein Straßenbauprojekt auf dem Campus einer Universität in der türkischen Hauptstadt Ankara ist es gestern zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschoße ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. In Istanbul wurde der Gezi-Park abgeriegelt, nachdem Aktivisten dort zu Demonstrationen aufgerufen hatten.

Zwischen 200 und 300 Studenten versammelten sich am Abend in der türkischen Hauptstadt vor der Technischen Universität des Nahen Ostens, um gegen den geplanten Bau einer Straße zu protestieren, die über den Campus führen soll. Sie errichteten Barrikaden und warfen Steine auf die Polizisten. Bereits am Nachmittag waren die Sicherheitskräfte mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor der Universität vorgegangen. 14 von ihnen wurden festgenommen.

Gezi-Park gesperrt

Studenten und Anwohner protestieren seit Wochen gegen den geplanten Bau der Straße. Sie fürchten, dass dafür viele Bäume gefällt werden müssen. Das Gelände der Hochschule ist eine der größten Grünflächen der Hauptstadt.

In Istanbul wurde der Gezi-Park für Besucher gesperrt, nachdem Aktivisten in Sozialen Netzwerken zu Protesten gegen den Polizeieinsatz in Ankara aufgerufen hatten. Polizisten mit schwerer Ausrüstung postieren sich rund um den Park. Im Juni hatte die geplante Umgestaltung der Grünfläche am Rande des Taksim-Platzes landesweite Proteste ausgelöst, die über Wochen Hunderttausende Menschen gegen die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auf die Straße trieben.

Die Proteste richteten sich zunächst nur gegen ein umstrittenes Stadtbauprojekt, dem der Park zum Opfer fallen sollte. Angesichts des brutalen Vorgehens der Polizei und der unnachgiebigen Reaktion Erdogans wendeten sich die Proteste bald aber auch gegen die Regierung. Fünf Menschen wurden bei den Unruhen getötet und mehr als 8.000 verletzt.