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Weitere Opfer unter Trümmern vermutet

Einen Tag nach einem schweren Erdbeben in Pakistan ist die Zahl der Opfer laut Angaben auf mindestens 240 gestiegen. Das gab die Regierung der dünn besiedelten Provinz Baluchistan am Mittwoch offiziell bekannt. Örtliche Regierungsvertreter sprachen gegenüber pakistanischen Medien noch von weit mehr Opfern. Selbst die höheren Zahlen dürften noch steigen.

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Das Onlineportal Dawn.com zitierte am Mittwoch einen Regierungsvertreter mit der Angabe, allein im entlegenen Bezirk Awaran im Süden Baluchistans seien mindestens 208 Menschen ums Leben gekommen und 350 weitere verletzt worden. 30 weitere Tote im Bezirk Kech sind ebenfalls offiziell bestätigt. Die Rettungsarbeiten werden durch unterbrochene Straßenverbindungen erschwert. Die Behörden befürchten zahlreiche weitere Opfer unter den Trümmern eingestürzter Häuser.

Helfer können kaum zu Opfern vordringen

In Awaran lag die Stärke des Bebens laut offiziellen Angaben bei 7,8. Der Sprecher der Provinzregierung, Jan Muhammad Buledi, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von großen Problemen bei der medizinischen Versorgung. In den örtlichen Krankenhäusern sei kein Platz mehr, um weitere Verletzte zu behandeln. „Wir versuchen, die Schwerverletzten mit Hubschraubern nach Karachi zu bringen“, sagte Buledi. Es gebe auch Krankentransporte in benachbarte Bezirke.

Haus steht nur noch zur Hälfte

Reuters/Sallah Jan

Eines der vielen zerstörten Häuser in Awaran

Ein ranghohes Mitglied der Bezirksverwaltung, Abdul Rasheed Baluch, sagte, etwa 90 Prozent der Häuser in der Gegend seien zerstört worden. „Fast alle Lehmhäuser sind eingestürzt.“ Die Rettungsarbeiten seien die ganze Nacht über fortgesetzt, einige Tote bereits in ihren Dörfern beerdigt worden. Die Regierung hatte bereits am Dienstag für die Region mit 21.000 Quadratkilometer Größe und rund 300.000 Einwohnern den Notstand ausgerufen.

Neuer Schicksalsschlag nach Flut im August

Das Militär schickte rund 300 Soldaten sowie Rettungshelfer und Helikopter in das betroffene Gebiet. Hunderte weitere Soldaten sollen folgen. Baluchistan hatte bereits im August unter heftigem Monsunregen und schweren Überschwemmungen gelitten. Im April hatte es in der iranischen Grenzregion zu Pakistan ein Beben der Stärke 7,8 gegeben. Dabei starben 41 Menschen. In Pakistan waren damals 12.000 Menschen von den Folgen betroffen.

Das neue Beben hatte nach Angaben des deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) Potsdam eine Stärke von 7,6. Die US-Erdbebenwarte (USGS) bezifferte die Stärke des Bebens auf 7,7. Das GFZ verortete die Tiefe des Epizentrums bei 42 Kilometern, die US-Erdbebenwarte bei nur 15 Kilometern unter der Erdoberfläche. Das Beben hatte auch in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi Menschen aus den Büros auf die Straße getrieben. Erschütterungen waren selbst in der indischen Hauptstadt Delhi zu spüren.

900 Quadratmeter große Insel erhob sich aus Meer

Die tatsächliche Opferbilanz kann noch nicht ermessen werden. Es gibt etwa Meldungen über mehrere eingestürzte Schulen. Augenzeugen verglichen das Beben mit jenem vom Jahr 2005, bei dem 86.000 Menschen starben und Millionen obdachlos wurden. Schlechtes Wetter behindert die Hilfseinsätze zusätzlich. Außerdem hat die Präsenz der Ordnungskräfte in der Region auch politische Brisanz: In Baluchistan liegen Stammesgebiete, die als Rückzugsort für islamische Extremisten gelten.

Luftansicht einer Insel im Meer

EBU

Luftbild der neu entstandenen Insel

Vor der Küste der pakistanischen Hafenstadt Gwadar legte das Beben eine 30 mal 60 Meter große Insel frei. Zahlreiche Menschen verfolgten das seltene Naturspektakel staunend vom Land aus und sahen, wie sich das felsige Eiland aus dem Arabischen Meer erhob. Laut Vertretern der Stadtverwaltung erschien vor rund 60 Jahren an derselben Stelle, ungefähr 600 Meter vom Meeresufer entfernt, schon einmal eine kleine Insel, die jedoch nach einiger Zeit wieder vom Meer verschluckt wurde.

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