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Zwischen Europa und Asien

Georgien erstreckt sich zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaukasus-Gebirge an einer geografischen Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Mit einer Fläche von knapp 70.000 Quadratkilometern entspricht die frühere Sowjetrepublik etwa der Größe Irlands.

In Georgien, das wegen seiner Grenzlage auch als „Balkon Europas“ bezeichnet wird, leben derzeit rund 4,5 Millionen Menschen. Seit der 1991 erlangten Unabhängigkeit haben eine Million Georgier das Land wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektiven verlassen.

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili

Reuters/David Mdzinarishvili

Präsident Michail Saakaschwili

Politisch nimmt Georgien unter dem seit 2004 amtierenden Präsidenten Michail Saakaschwili (46) einen strammen Kurs auf westliche Strukturen. Der von westlichen Finanzorganisationen gelobte Reformkurs hat zwar ein beachtliches Wirtschaftswachstum hervorgebracht, an dem aber nur ein Teil der Bevölkerung teilhaben kann. Vor allem eine stark schwankende Inflation, ein defizitärer Außenhandel und zögernde ausländische Investitionen bereiten dem Land Probleme. Durch Georgien führt eine Pipeline von Aserbaidschan in die Türkei, mit der der Westen seine Abhängigkeit von russischem Öl verringern will.

August-Krieg um Südossetien und Abchasien

Im Jahr 2008 löste der August-Krieg zwischen Russland und Georgien die schwerste Krise zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges aus. Dabei verlor Georgien die abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien, die etwa ein Fünftel seines Territoriums ausmachten. Russland erkannte die Regionen gegen internationalen Protest als unabhängige Staaten an.

Die Gebiete hatten sich schon nach dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre de facto von Georgien abgespaltet. Dabei war es immer wieder zu schweren bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen. Ein 2004 geschlossener Waffenstillstand blieb stets brüchig.

In der Nacht auf den 8. August 2008 schickte Saakaschwili nach wechselseitigem Beschuss südossetischer und georgischer Orte seine Truppen auf den Weg in die südossetische Hauptstadt Zchinwali. Danach begann eine russische Gegenoffensive mit Panzern, Kampfjets und Raketen. Am 10. August mussten sich die Georgier aus dem umkämpften Zchinwali zurückziehen. Der Konflikt griff auf Abchasien über. Russische Kriegsschiffe blockierten die georgische Schwarzmeer-Küste.

EU-Vermittlung führte zu Waffenruhe

Nach der Bombardierung seines Territoriums bat Georgien die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Frankreich vermittelte als EU-Ratsvorsitzland. Saakaschwili unterschrieb eine von Russland verlangte Verpflichtung zur Waffenruhe. Russische Soldaten standen zu diesem Zeitpunkt bereits tief in georgischem Kernland. Der damalige russische Präsident Dimitri Medwedew befahl am 12. August die Einstellung der Kampfhandlungen. Nach unterschiedlichen Angaben starben im Krieg 440 bis 600 Menschen.

Die abtrünnigen Regionen sind weiter von Russland abhängig, das dort auch Tausende Soldaten stationiert hat. Der Europarat kritisiert das „aggressive Verhalten“ Russlands, das keine Beobachter nach Südossetien und Abchasien einreisen lasse.

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