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Südeuropa buhlt um Investoren

Athen lockt Investoren mit einer Aufenthaltserlaubnis, die dem Inhaber den Verbleib in Griechenland für fünf Jahre und freies Reisen in alle EU-Staaten erlaubt. Die ersten drei Aufenthaltsgenehmigungen wurden im August an drei chinesische Familien vergeben, die Immobilien im Wert von mehr als 250.000 Euro in Griechenland kauften.

Wie die griechische Presse in den vergangenen Tagen berichtete, soll es bereits Hunderte vor allem aus China, aber auch aus Russland stammende Unternehmer geben, die Interesse an einem Immobilienkauf in Griechenland gezeigt hätten. „Es gibt starkes Interesse. Sie (die potenziellen Käufer, Anm.) wollen sich absichern, dass sie im Falle von Problemen im eigenen Land sicher in einem EU-Land leben können“, sagte der Makler Dimitris Vogiatzis der dpa.

Fünf Jahre Aufenthalt für 250.000 Euro

Der Kauf einer Immobilie in Griechenland im Wert von mindestens 250.000 Euro sichert nicht nur für den Käufer, sondern auch für dessen Frau und Kinder fünf Jahre Aufenthaltserlaubnis. Danach kann die Aufenthaltserlaubnis unter der Voraussetzung, dass das Haus nicht verkauft worden ist, für weitere fünf Jahre verlängert werden. Ein entsprechendes Gesetz passierte im April das griechische Parlament.

Diese Idee ist nicht neu, auch andere Krisenländer im Süden Europas locken potenzielle Investoren mit Aufenthaltsgenehmigungen - nur nicht ganz so günstig. In Zypern gibt es drei Jahre Aufenthaltserlaubnis für einen Immobilienkauf im Wert von mindestens 300.000 Euro. Dafür bekommt, wer mehr investiert, nach sechs Jahren die zypriotische Staatsbürgerschaft. Ähnliche Regelungen gibt es auch in Malta und in Ungarn.

Begehrtes „Golden Visa“

Auch Spanien hat einen ähnlichen Gesetzesentwurf im Frühjahr abgesegnet. Personen, die eine Immobilie im Wert von 500.000 Euro kaufen, erhalten eine Aufenthaltsgenehmigung dazu. Der Nachbar Portugal hat schon im Jahr 2011 die Aufenthaltsgenehmigung „Golden Visa“ eingeführt, die nach dem Kauf einer Wohnung im Wert von mindestens einer halben Millionen Euro gewährt wird. Mit Erfolg: Seit der Einführung wurden mehr als 100 Visa vergeben, zumeist an chinesische Käufer, wie die portugiesische Einwanderungsbehörde im August mitteilte.

Und das Interesse ist groß, denn Wohnungen in bester Lage wie etwa in der Küstenstadt Cascais sind deutlich günstiger als in den boomenden Metropolen Chinas. Edmund Zhao erstand für 700.000 Euro ein Appartement mit Meerblick, Aufenthaltsgenehmigungen für sich und seine Familie inklusive, wie er der Zeitschrift „Bloomberg Businessweek“ erzählte. Einzige Voraussetzung ist, dass er im ersten Jahr mindestens sieben Tage in Portugal verbringt und in den folgenden zwei Jahren weitere 14 Tage. Dafür kann er ungestört innerhalb des Schengen-Raumes reisen.

Athen wartet noch auf Investorenansturm

In Griechenland hält sich die Nachfrage bisher in Grenzen. Die erste Aufenthaltsgenehmigung wurde erst vier Monate nach Inkrafttreten des Gesetztes vergeben, und das obwohl Premier Antonis Samaras persönlich bei einem Staatsbesuch in China für das Programm warb. „Die Visaregelung ist noch sehr neu und hat bisher kaum Einfluss auf den Immobilienmarkt“, bestätigt auch Ioanna Plakokefalou, Geschäftsführerin von Hellenic Immoblien in Athen gegenüber „Bloomberg Businessweek“. Die Nachfrage werde nach wie vor mehr von der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beeinflusst.

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