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„Sprunghafter Managementstil“

5,7 Prozent bei der Nationalratswahl sind eine herbe Enttäuschung für Frank Stronach und sein Team gewesen. Was folgte, war ein radikaler Umbau der Partei samt personellem Austausch in Spitzenpositionen und entsprechenden parteiinternen Nachwehen.

Politische Beobachter weisen freilich darauf hin, dass es nicht der erste personelle Kahlschlag des Milliardärs nach einer persönlichen Schlappe ist. Nicht nur das Team Stronach (TS) selbst sorgte während seines einjährigen Bestehens immer wieder mit Personalchaos für Schlagzeilen. Auch bei früheren gescheiterten Projekten des Austrokanadiers gab es nach Flops ein Köpferollen.

Viele Wechsel bei der Wiener Austria

Bestes Beispiel dafür ist Stronachs einstiger Einstieg bei der Wiener Austria. Zum Start des Projekts im Jahr 1998 gab es nicht nur eine Finanzspritze des Unternehmers von zehn Millionen Schilling, sondern auch große Ambitionen: Innerhalb von fünf Jahren werde die Austria den Europacup gewinnen, 2006 werde der Fußballweltmeister Österreich heißen, so Stronach, der 1999 auch zum Präsidenten der Bundesliga avancierte. Beides trat nicht ein, doch zwischen 2000 und 2007 war MEC, die Entertainment-Tochter von Stronachs Firma Magna, Betriebsführer des Vereins und investierte etwa 100 Millionen Euro.

Immerhin zwei Meistertitel und drei Cupsiege konnte die Austria während dieser Zeit für sich verbuchen. Lief es weniger gut, wurden die in großer Zahl gekauften Spieler - und auch Trainer - aber zeitnah wieder ausgetauscht. Nach dem schrittweisen Rückzug vom Wiener Verein versuchte der Industrielle sein sportliches Glück nochmals mit der Gründung des FC Magna Wiener Neustadt. Auch diesem Projekt war nicht der erwartete Erfolg beschieden, und Stronach trat finanziell ebenso in den Hintergrund wie bei seiner im Jahr 2000 gegründeten Fußballakademie in Hollabrunn.

Eigensinnig in der Führung

Stronach verfolgte seine zahlreichen Projekte stets mit viel Engagement. Neben erfolgreichen industriellen Übernahmen wie dem Kauf von Steyr Daimler Puch verliefen einige seiner Unternehmungen auch weniger glorreich - so etwa der Bau der verlustreichen Pferderennbahn Magna Racino im Süden von Wien, gescheiterte Versuche, riesige Erlebniswelten zu erbauen, und der ebenfalls gescheiterte Kauf der voestalpine. Auch bei seinen Nebenprojekten wurde dem 81-Jährigen bisweilen ein etwas eigensinniger Führungsstil attestiert. So schrieb die „New York Times“ über ihn: „Stronachs herrschaftlicher und oftmals sprunghafter Managementstil hat seine Aktionäre einmal bereichert, einmal verschreckt.“

Aufstieg mit Bremsen und Armaturen

In den 1950er Jahren war Stronach nach Kanada ausgewandert, in der Tasche hatte er angeblich 200 Dollar. In einer kleinen Autowerkstatt in Toronto fand er seinen ersten Job. Sein erstes Unternehmen Multimatic hatte zunächst nur einen Mitarbeiter: ihn selbst. In den 1960er Jahren gründete Stronach den Autozulieferer Magna, und damit begann sein Aufstieg. Mit Armaturen, Bremsen und anderem Zubehör setzte er bis Ende der 70er Jahre bereits 150 Mio. Dollar im Jahr um, inzwischen hat der Branchenriese über 123.000 Mitarbeiter in 314 Produktionsstätten und 89 Entwicklungszentren in 29 Ländern. Der Ehrgeiz des Firmengründers reichte allerdings schon früh über die Produktion von Autoteilen hinaus.

Erstes Politprojekt gescheitert

Auch erste politische Gehversuche machte der gelernte Werkzeugmacher schon während seiner Zeit in Kanada. Ende der 1980er Jahre kandidierte er dort für die Liberal Party. Rund um den Wahlkampfslogan „Let’s be Frank“ zog er eine pompöse Kampagne auf, erlitt gegen seinen Gegenkandidaten, einen Optiker, aber letztlich eine Niederlage. Zurück in Österreich umgab er sich bald mit ehemaligen Spitzenfunktionären aller Parteien und holte sie in sein Team. Investitionen in die heimische Wirtschaft sollten so leichter von der Hand gehen.

Mit seinem aktiven Polit-Engagement in Österreich startete Stronach vor gut einem Jahr wieder einmal ein neues Projekt. Relativ schnell hatte er genug Abgeordnete aus dem BZÖ-Lager abgeworben, um einen eigenen TS-Klub im Nationalrat zu haben, ohne gewählt worden zu sein. Wie nachhaltig der Erfolg von Stronachs zweitem politischem Projekt nach dem schwachen Wahlergebnis vom Sonntag sein wird, werden allerdings erst die nächsten Wochen und Monate zeigen.

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