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Lob für Berlin und Wien

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat die Türkei davor gewarnt, islamistische Kämpfer zu unterstützen. Die Türkei werde schon bald selbst einen sehr hohen Preis dafür zahlen, sagte Assad dem türkischen Fernsehsender Halk TV.

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„Terrorismus kann man nicht wie eine Spielkarte in der Tasche bereithalten, denn Terrorismus ist wie ein Skorpion, der bei erster Gelegenheit zusticht“, sagte Assad in dem Interview, das am Freitag im Internet veröffentlicht wurde.

Die islamistischen Rebellen in Syrien schließen sich derweil zu größeren Verbänden zusammen. Die regimekritische Website All4Syria berichtete, fünf kleinere Brigaden hätten jetzt die Vereinigung „Amdschad al-Islam“ gebildet. In den vergangenen Tagen hatten sich bereits Dutzende Brigaden zu zwei größeren Truppenverbänden namens Armee des Islam und Ahl al-Sunna wal-Dschamaa vereinigt. Die Brigaden mit islamistischem Hintergrund erhalten Unterstützung aus den arabischen Golfstaaten.

Exilopposition immer machtloser

Die Exilopposition beobachtet diese Entwicklung mit wachsender Besorgnis. Der Menschenrechtsanwalt Haitham al-Maleh sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Schuld für diese Radikalisierung liege bei der Regierung: „Gewalt erzeugt Gegengewalt.“ Der Oppositionelle Bassam Ishak sagte im Nachrichtensender al-Arabija, die von Deserteuren gebildete Freie Syrische Armee (FSA) müsse die einzige Armee der Revolution sein. Die Operationen bewaffneter Gruppen, die keinen politischen Weisungen folgten, seien dagegen sogar kontraproduktiv. Seit Beginn des Aufstandes im März 2011 stellt das Regime den Konflikt als Kampf einer legitimen Staatsmacht gegen islamistischen Terror dar.

Assad: Berlin und Wien „noch am objektivsten“

Assad bestritt unterdessen in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin „Spiegel“ erneut Giftgasangriffe auf Zivilisten und die bewaffnete Opposition. Zugleich zeigte er sich auf eine entsprechende Frage des Nachrichtenmagazins offen für eine mögliche Vermittlerrolle Deutschlands, die das Außenministerium in Berlin aber umgehend ablehnte.

„Ich würde mich freuen, wenn Gesandte aus Deutschland nach Damaskus kämen, um mit uns über die wahren Verhältnisse zu sprechen (...) Sie können dann hier Überzeugungsarbeit leisten“, sagte Assad. „Wenn sie mit uns reden, heißt das nicht, dass sie unsere Regierung unterstützen.“ Deutschland und Österreich hätten „noch den objektivsten Blick“ auf die Geschehnisse in der Region.

„Al-Kaida in Europas Hinterhof“

„Wenn ihr jedoch denkt, ihr müsstet uns isolieren, dann sage ich nur: Damit isoliert ihr euch selbst - und zwar von der Wirklichkeit. Hier geht es auch um eure Interessen“, so der syrische Machthaber im „Spiegel“-Interview. „Was habt ihr davon, wenn sich in eurem Hinterhof Al_Kaida tummelt, wenn ihr hier bei uns Instabilität unterstützt? Nach zweieinhalb Jahren solltet ihr eure Politik überdenken.“

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