Spirituelles Oberhaupt der Sefarden gestorben

In Jerusalem ist heute nach längerer schwerer Krankheit das spirituelle Oberhaupt der sefardischen Juden, der Rabbiner Ovadja Josef, 93-jährig gestorben.

Josef war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in Israel - auf religiöser wie politischer Ebene. Sowohl Politiker wie religiöse Führer in Israel zeigten sich in ersten Reaktionen im israelischen Radio über den Tod Rabbi Josefs tief bestürzt.

Josef, der 1920 in Bagdad geboren wurde und im Alter von vier Jahren in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina einwanderte, traf zahlreiche halachische (religionsgesetzliche) Entscheidungen. Er zeichnete sich dabei durch eine vergleichsweise liberale Haltung aus, die ihn und die ihm politisch zugeordnete Schas-Partei immer wieder zu einem wichtigen Partner machte.

Wegweisende gesellschaftliche Entscheidungen

Josef gelang es wie keinem anderen orthodoxen Geistlichen, sich die Anerkennung auch der säkularen Öffentlichkeit zu sichern. Er entschied etwa, dass Frauen Hosen tragen dürfen, dass das Zahlen von Steuern an den Staat für Orthodoxe zulässig und nötig ist - obwohl viele ultraorthodoxe Juden den zionistischen Staat ablehnen.

Vor allem entschied er religionsgesetzlich verbindlich, dass die äthiopischen Juden ein dem Volk Israel angehöriger Stamm sind. Diese und zahlreiche andere seiner halachischen Entscheidungen hatten nicht nur religiöse, sondern auch enorme gesellschaftliche Bedeutung.