Causa Madoff: Medici-Bankerin Kohn gewann Verfahren

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In der Causa um den US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff hat seine Wiener Geschäftspartnerin Sonja Kohn, Gründerin der nicht mehr existenten Bank Medici, nach eigenen Angaben ein Verfahren in Großbritannien gewonnen. Der Madoff-Masseverwalter Irving Picard hatte sie auf 60 Mio. Dollar geklagt, blitzte damit aber ab.

Anwalt: Richter sieht Kohn als Opfer

Das Londoner Gericht habe festgestellt, dass Kohn Opfer von Madoff war und sie und ihre Familie selbst Geld bei ihm verloren hätten, berichtete Kohns Wiener Anwalt Clemens Trauttenberg. Kohns Vermögen sei bereits wieder freigegebenen worden.

Der Beschluss, ihr Vermögen auf der ganzen Welt einzufrieren, war im Zusammenhang mit dem Londoner Verfahren erlassen worden. Es hätte als Sicherstellung für den Fall, dass Picard gewinnt, gedient. Der Masseverwalter war der Meinung, dass Kohn vom Madoff’schen Schneeballsystem wusste und ordentlich mitschnitt.

Das Urteil ist vorerst rechtskräftig. In England müssten nämlich Rechtsmittel extra beantragt werden, erläuterte Trauttenberg.

„Wegweisend“ für heimische Verfahren?

Der Rechtsvertreter sieht den britischen Entscheid als „wegweisend“ für die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Kohn in Österreich. Die heimische Justiz ermittelt in der Causa Madoff seit nunmehr vier Jahren gegen die Geschäftsfrau sowie (ehemalige) Verantwortliche bei der Bank Austria und bei der Bank Medici.

Es geht u. a. um den Verdacht von Untreue und Betrug. Die Beschuldigten hatten stets betont, selbst Opfer von Madoff geworden zu sein. In Österreich sind einige Millionen an Anlegergeldern über die Fonds „Primeo“ (vertrieben zum Beispiel von der Bank Austria) und „Herald“ bei Madoff versickert. Das beschäftigt auch die Zivilgerichte hierzulande.