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Auch Sparprogramm macht sich bezahlt

Das niederländische Traditionsunternehmen Philips hat turbulente Zeiten hinter sich: Innerhalb der letzten zwei Jahre wurde das Geschäft radikal umgebaut. Zahlreiche Stellen wurden gestrichen, angesichts der Konkurrenz aus Asien wurden lahmende Produktsegmente wie TV, Audio und Video verkauft. Stattdessen fanden Produkte wie Mixer, Rasierer und Elektrozahnbürsten den Weg zu den Konsumenten.

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Sowohl in den Schwellenländern als auch in den USA legten die Erlöse in dieser Sparte stark zu, während sie in Europa auf hohem Niveau mehr oder minder stabil blieben - insgesamt stieg der Gewinn. Generell konnte Philips in den drei Geschäftsfeldern Beleuchtung, Gesundheit und Elektrogeräte seinen Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahr steigern, wie das Unternehmen bei der Präsentation der Quartalszahlen am Montag mitteilte.

Nettogewinn verdreifacht

Im dritten Quartal sei der Nettogewinn nahezu verdreifacht worden, hieß es. Dieser kletterte auf 281 Mio. Euro nach 105 Mio. Euro im Vorjahr. Die Umsätze stiegen auf vergleichbarer Basis um drei Prozent auf 5,62 Mrd. Euro. Analysten hatten mit 209 Mio. Euro Gewinn und 5,74 Mrd. Euro Umsatz gerechnet. Die bereits im Vorhinein optimistischen Erwartungen der Analysten wurden also markant übertroffen.

Erst Anfang des Jahres hatte Philips seine schwächelnde Audio- und Videosparte an seinen japanischen Partner Funai verkauft. Mit dem Verkauf zog sich Philips komplett aus dem Bereich mit Kopfhörern, Lautsprechern, Docking-Stations, MP3- und DVD-Playern zurück. Mitte des Jahres übernahm Funai den kompletten Audiobereich, aus Lizenzgründen soll 2017 der Bereich DVD und Blu-ray folgen.

Philips-LED-Lampe

APA/AP/Mark Lennihan

Einer von Philips’ Gewinnbringern

Starkes Geschäft mit Licht

Schwerpunkte des umgebauten Programms sind das Geschäft mit Gesundheitstechnik und die Lichtsparte. In der Lichttechnik stieg der vergleichbare Umsatz trotz schwächelnder Verkäufe von Lampen um satte drei Prozent. Das Geschäft mit Autolampen wuchs ebenso wie der Absatz von Leuchtdioden (LED) zweistellig. Die Produktion herkömmlicher Glühbirnen wurde unterdessen heruntergefahren. Der operative Gewinn schnellte in der Lichttechnik vor allem wegen des Jobabbaus von 32 auf 177 Millionen Euro nach oben. In der Sparte gibt es jetzt schon fast 3.900 Stellen weniger als im Vorjahr.

Im umsatzträchtigsten Geschäft mit der Gesundheitstechnik, in dem die Niederländer auch mit dem deutschen Konzern Siemens und dem US-amerikanischen General Electric (GE) konkurrieren, hielt sich der Umsatz zwar auf dem Vorjahresniveau - die Aufträge gingen aber quer durch fast alle Regionen zurück. Nur China und Indien stachen mit Zuwächsen heraus. Der Gewinn der Sparte legte trotzdem leicht zu.

Tausende Stellen gestrichen

Im Zuge des Sparkurses wurden gesamt bereits knapp 6.000 Stellen gestrichen, geplant ist der Abbau von insgesamt 9.100 Stellen. Der Konzern geht unterdessen davon aus, die Geschäftsziele für dieses Jahr zu erreichen, sagte Konzernchef Frans van Houten: „Der anhaltende Gegenwind in der Weltwirtschaft dürfte in den kommenden Quartalen jedoch das Umsatzwachstum weiter beeinflussen.“

Frau präsentiert eine Fritteuse von Philips auf der IFA im Jahr 2010

Reuters/Christian Charisius

Bei Haushaltsgeräten sind steigende Umsätze angekündigt

Als Marke hat Philips eine lange und traditionsreiche Geschichte. 1891 gegründet, begann Philips zuerst mit der Herstellung von Kohlenfadenlampen. 1918 stieg der Hersteller mit einer eigenen Röntgenröhre in den Medizinmarkt ein, 1927 wurde ein eigener Geschäftsbereich dafür gegründet. Im gleichen Jahr startete Philips die Produktion von Radios und stieg einige Jahre später zum führenden Radiohersteller auf.

Kompaktkassette von Philips entwickelt

Schon früh begann Philips mit der Diversifikation seiner Produktbereiche: Parallel zur Entwicklung von Fernsehgeräten brachte Philips 1939 mit dem Philishave einen elektrischen Rasierapparat auf den Markt. Das Hauptaugenmerk lag aber neben der Entwicklung von elektronischen Bauteilen lange Zeit vor allem auf der Entwicklung und Produktion von Unterhaltungselektronik.

1963 stellte Philips die erste Kompaktkassette vor und legte damit nicht nur den Grundstein für den mobilen Musikkonsum, sondern auch für Generationen von selbst aufgenommenen und zusammengestellten Mixtapes. Auch an der Entwicklung der Compact Disc (CD) war Philips maßgeblich beteiligt.

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