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Plus von bis zu zwölf Prozent erwartet

Die polnischen Nahrungsmittelexporteure werden auch heuer einen neuen Rekord aufstellen. Um mindestens 4,5 Prozent auf 18,7 Mrd. Euro würden die Ausfuhren steigen, schätzt das staatliche Institut für Land- und Ernährungswirtschaft (IERiGZ). „Polen nützt weiterhin seinen Preisvorteil aus“ - insbesondere die geringen Löhne, meinte Wieslaw Lopaciuk vom IERiGZ zuletzt gegenüber der APA.

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Der Preisvorteil helfe den Produzenten vor allem in der EU, einem Markt, dessen Anforderungen die polnischen Bauern immer besser kennen, so Lopaciuk. Die Bank für Ernährungswirtschaft (BGZ) hält sogar ein Exportplus von bis zu zwölf Prozent für möglich, allerdings lasse die Dynamik im zweiten Halbjahr nach. „Die Weltmarktpreise für viele wesentliche landwirtschaftliche Rohstoffe sind gesunken, und dadurch fällt auch das Exportvolumen geringer aus“, meinte BGZ-Ökonom Michal Kolesnikow gegenüber der Zeitung „Rzeczpospolita“.

Tabak, Fleisch und Süßes

Laut Kolesnikow machen auch Imageprobleme den Exporteuren zu schaffen, etwa der europäische Pferdefleischskandal im Frühling, bei dem - zu Unrecht, wie sich später zeigte - zunächst Polen als Hauptquelle von verunreinigtem Rindfleisch verdächtigt wurde. Die Kunden im Ausland nähmen die polnischen Produkte oft gar nicht als solche wahr, so Piotr Obidzinski von der Unternehmensberatung Roland Berger. „Viele große Einzelhandelsketten geben in Polen Produkte in Auftrag, die dann unter ihrem eigenen Namen angeboten werden“, sagte Obidzinski zur „Rzeczpospolita“.

Dynamisch entwickelt sich der Export von polnischem Käse, dessen Wert laut IERiGZ im Halbjahresvergleich um 25 Prozent auf 318 Mio. zulegte. Auch andere Milchprodukte waren im Ausland gefragt. Beim Alkohol betrug die Steigerung - bei einem Gesamtvolumen von 57 Mio. Euro - 18 Prozent. Vom Gesamtvolumen her lagen Tabakprodukte auf Platz eins (653 Mio. Euro), gefolgt von Geflügel (501 Mio. Euro), Rindfleisch (435 Mio. Euro), Süßigkeiten (414 Mio. Euro) und Schweinefleisch (413 Mio. Euro).

Auch Österreich importiert mehr

Die meisten polnischen Nahrungsmittel (77 Prozent) gehen in die Europäische Union. Hauptabnehmer war im ersten Halbjahr wieder Deutschland, das für rund zwei Milliarden Euro polnische Lebensmittel kaufte, dahinter lagen Großbritannien (682 Mio. Euro) und Russland (641 Mio. Euro). Österreich importierte polnische Nahrungsmittel für 154 Mio. Euro, ein Plus von 9,2 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012.

Den polnischen Nahrungsmittelimport schätzt das IERiGZ heuer auf 13,7 Mrd. Euro, damit würde Polen in diesem Segment einen Handelsüberschuss von fünf Milliarden Euro erzielen. Aus Österreich importierte Polen im ersten Halbjahr aus dieser Branche Waren für 91,4 Mio. Euro, ein Zuwachs von 24,7 Prozent.

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