Spitze der Muslimbrüder in Kairo vor Gericht

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Die Führungsriege der ägyptischen Muslimbruderschaft soll heute in Kairo erstmals vor Gericht erscheinen. Der Prozess gegen Mohammed Badie und seine zwei Stellvertreter hatte zwar bereits Ende August vor einem Strafgericht begonnen. Damals waren die Angeklagten jedoch von der Polizei nicht zum Gerichtssaal gebracht worden.

Zusammen mit Badie und seinen Stellvertretern Chairat al-Schater und Mohammed Raschad Bajuumi sind noch 33 weitere führende Mitglieder der Islamistenbewegung angeklagt. Man wirft ihnen vor, an der Tötung von neun Demonstranten beteiligt gewesen zu sein. Die Demonstranten waren im vergangenen Juni während einer Protestaktion vor dem Hauptquartier der Muslimbrüder in Kairo getötet worden.

Härte gegen Demonstranten

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo gingen Armee und Polizei gestern gewaltsam gegen eine studentische Demonstration von Anhängern des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi vor. Wie Vertreter der Sicherheitsdienste mitteilten, zogen die Demonstranten von der renommierten Al-Ashar-Universität zu einer nahe gelegenen Straße und blockierten sie.

Polizisten und Soldaten räumten die Straße unter Einsatz von Tränengas und Schrotmunition frei. Wie ein AFP-Reporter berichtete, war die Straße nach der Räumung mit Glassplittern, Steinen und Tränengasgranaten übersät.

Für die Unterstützer des Anfang Juli vom Militär gestürzten Islamisten Mursi sind die Universitäten seit dem Semesterbeginn vor einem Monat zunehmend zu letzten Zufluchtsorten geworden. Seit Mitte August, als Polizei und Streitkräfte Protestlager der Muslimbrüder in Kairo mit Gewalt räumten, töteten sie mehr als tausend Mursi-Anhänger. Mehr als 2.000 Muslimbrüder wurden festgenommen.

Mursi wird weiterhin an einem geheimen Ort festgehalten. Ihm soll ab Montag der Prozess gemacht werden. Der ehemalige Staatschef wird beschuldigt, für den Tod von Demonstranten verantwortlich zu sein, die im Dezember 2012 vor seinem Präsidentenpalast demonstrierten.

Kung-Fu-Kämpfer suspendiert

Unterdessen schickten ägyptische Sportfunktionäre aus politischen Gründen einen Kung-Fu-Kämpfer von der Weltmeisterschaft in Russland nach Hause. Dabei hatte Mohammed Jussif in St. Petersburg sogar Gold für sein Land geholt.

Sein „Vergehen“: Der Sportler hatte bei der Siegerehrung vier Finger der rechten Hand ausgestreckt. Das ist das Zeichen der Sympathisanten der verbotenen Muslimbruderschaft. Unter seiner Sportjacke trug der Kung-Fu-Kämpfer außerdem ein T-Shirt mit dem Zeichen der Anhänger Mursis.