Themenüberblick

Jahrelanges Tauziehen

Das Kosovo wurde vor fünf Jahren selbstständig. Serbien und seinen Landsleuten im Nordkosovo widerstrebt das. Die Albaner verstehen sich als „Urbevölkerung“ mit den ältesten Rechten, die Serben beanspruchen die Region als Wiege ihrer Nation.

17. Februar 2008: Das Kosovo erklärt seine Unabhängigkeit. Zuvor waren die Vermittlungsbemühungen der UNO zwischen Serbien und seiner abtrünnigen Provinz gescheitert.

April 2008: Der Balkanstaat gibt sich eine Verfassung. Der neue Staat soll unter Aufsicht der EU aufgebaut werden.

Dezember 2010: Regierungschef Hashim Thaci gewinnt die erste Parlamentswahl seit der Unabhängigkeit.

Juli 2011: Im Nordkosovo eskaliert die Gewalt. Mit Straßensperren soll das Durchkommen von Sicherheitskräften der Kosovo-Albaner zur Grenze verhindert werden. Bei Ausschreitungen wird ein albanischer Polizist getötet. Starke Verbände der internationalen Schutztruppe KFOR sichern die Grenze.

August 2011: Der deutsche KFOR-Kommandant Erhard Bühler vermittelt zwischen den Konfliktparteien. Am 5. August heißt es aus Verhandlungskreisen: Der Streit ist beigelegt. Die serbische Minderheit zögert eine Zustimmung hinaus.

September 2011: Serben und Albaner nehmen in Brüssel unter EU-Vermittlung neue Verhandlungen auf. Erste Kompromisse werden erzielt. Die serbische Minderheit lehnt das Verhandlungsergebnis ab.

Oktober 2011: Die KFOR beginnt mit der Räumung von serbischen Barrikaden im Nordkosovo, scheitert aber am Widerstand der Serben.

November 2011: Die Kosovo-Serben lehnen alle Kompromisse ab, die schon zwischen Belgrad und Prishtina unter EU-Vermittlung erzielt worden waren. Bei Zusammenstößen der KFOR mit Serben im Nordkosovo werden Dutzende Menschen verletzt. Auch zwei deutsche Soldaten erleiden Schussverletzungen.

Dezember 2011: Serben und Albaner einigen sich unter Vermittlung der EU auf die Kontrolle der Kosovo-Grenzen. Die Serben im Nordkosovo lehnen das Abkommen ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am 19. Dezember zu einem Truppenbesuch im Kosovo. Aus der lange sehr ruhigen Region sei wieder ein Krisenherd geworden, sagt sie.

Februar 2012: Die Serben im Nordkosovo sprechen sich in einem Referendum klar für ihren Verbleib bei Serbien und gegen die kosovo-albanische Regierung in Prishtina aus.

Juni 2012: Bei der Räumung einer Straßensperre im Norden des Kosovo werden zwei deutsche Soldaten angeschossen.

Juli 2012: Das Kosovo erhält seine volle Souveränität. Die Mehrheit der EU-Länder sowie die USA und die Türkei beschließen, die „beaufsichtigte Unabhängigkeit des Kosovo“ zu beenden. Der Schritt wird am 10. September mit einer feierlichen Zeremonie vollzogen. Das Büro des Internationalen Beauftragten wird geschlossen. Die KFOR und die EU-Rechtsstaatsmission EULEX bleiben jedoch im Land.

Oktober 2012: Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bringt die zerstrittenen Regierungschefs Ivica Dacic (Serbien) und Hashim Thaci (Kosovo) in Brüssel erstmals an einen Verhandlungstisch.

Dezember 2012: Serbien und das Kosovo richten erstmals zwei gemeinsame Grenzübergänge ein, Jarinje und Brnjak im Norden des Kosovo.

Jänner 2013: Serbien und das Kosovo einigen sich über die Zahlung von Zöllen und Steuern an ihren Grenzübergängen. Die Abgaben sollen in einen von der EU errichteten Fonds fließen, der von Brüssel, Belgrad und Prishtina gemeinsam kontrolliert wird. Das Geld soll den vier serbischen Gemeinden in Nordkosovo zugutekommen. Der erwartete Durchbruch ist es aber noch nicht.

Februar/März 2013: Die Regierungschefs Serbiens und des Kosovo können sich bei neuerlichen Treffen in Brüssel nicht auf Kompromisse einigen.

April 2013: Die EU-Vermittlung scheitert Anfang April. Die EU-Außenbeauftragte lädt Dacic und Thaci aber zu neuen Gesprächen nach Brüssel ein. Am 19. April einigen sich Serbien und das Kosovo doch noch.

Mai 2013: Das serbische Parlament stimmt dem von der EU vermittelten Abkommen zur Normalisierung der Beziehung zu. Die serbische Minderheit im Kosovo macht Front gegen Belgrad.

Juni 2013: Das Kosovo-Parlament billigt trotz Blockaden und Gewalt durch albanische Nationalisten das Normalisierungsabkommen.

Juli 2013: Die serbische Minderheit im Kosovo erklärt sich für selbstständig und stellt damit das Normalisierungsabkommen infrage.

September 2013: Serbien entlässt vier serbische Bürgermeister im Nordkosovo, die sich gegen die für den 3. November geplante Kommunalwahl gestellt haben. Bei einem Anschlag auf EULEX-Fahrzeuge werden im Nordkosovo ein Zöllner aus Litauen erschossen und ein tschechischer Soldat verletzt.

Oktober 2013: In der Kosovo-Stadt Mitrovica überlebt ein serbischer Kommunalwahlkandidat einen Bombenanschlag unverletzt. Die Wahl soll die serbische Minderheit in den Staat Kosovo eingliedern. Im Gegenzug sollen die Kosovo-Serben eine weit gefasste Selbstständigkeit erhalten.

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