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Eine Tonne Vulkanasche aus Island

Immer wieder sorgen Vulkanausbrüche zu schweren Behinderungen im Flugverkehr und großen Einbußen für die betroffenen Airlines. Als beispiellos gilt nach wie vor das durch die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Frühjahr 2010 verursachte Chaos. Ausgerechnet die Asche des Eyjafjallajökull soll nun den Weg für eine vielversprechende Schutzmaßnahme ebnen.

Geht es nach der Billigfluglinie easyJet, dem europäischen Luftfahrtkonzern Airbus und dem norwegischen Technologieunternehmen Nicarnica Aviation konnte dank einer künstlich hergestellten Aschewolke erfolgreich die letzte Testphase einer neuartigen Detektortechnologie abgeschlossen werden. Dank des Airborne Volcanic Object Detector (AVOID) soll es künftig möglich sein, Aschewolken frühzeitig zu erkennen und diese gefahrlos zu umfliegen.

Vulkan Eyjafjallajökull in Island

APA/AP/Brynjar Gauti

Eyjafjallajökull brachte vor drei Jahren Europas Flugverkehr zum Erliegen

2,8 Kilometer Durchmesser

Bei dem nun über der Biskaya absolvierten Praxistest kam unter anderem eine Tonne vom isländischen Institute of Earth Science eingesammelte und getrocknete Vulkanasche zum Einsatz. Zur Erzeugung einer „realistischen Aschewolke“ musste von Airbus zudem eine Testmaschine eigens umgebaut werden. Von dieser wurde die Asche laut Pressemitteilung in einer Höhe von 2.700 bis 3.300 Metern verteilt, wodurch eine 180 bis 240 Meter hohe künstliche Wolke mit einem Durchmesser von 2,8 Kilometern entstand.

Im Zuge des Experiments flog ein weiterer Airbus auf die künstliche Wolke zu. Durch das an Bord befindliche AVOID-System wurde demnach erfolgreich die Vulkanasche identifiziert, und bereits aus einer Entfernung von rund 60 Kilometern auch deren Dichte gemessen. Einem Flugzeug vom Typ Diamond DA42, zur Verfügung gestellt von der Fachhochschule Düsseldorf, kam schließlich die Aufgabe zu, die Testergebnisse zu bestätigen.

„Nützliche Lösung“

Dank der Sensoren können bereits geringe Aschekonzentrationen nachgewiesen werden, so der Erfinder der AVOID-Technologie, Fred Prata nach Angaben des Portals Austrian Wings. Charles Champion gab zwar zu bedenken, dass man sich erst „am Anfang einer Erfindung“ befinde. Der Airbus-Manager zeigte sich aber zuversichtlich, dass eine „nützliche Lösung für den kommerziellen Flugverkehr“, mit der künftig großräumige Räumungen durch Vulkanasche verhindert werden können, in Griffweite sei.

„Das Experiment war ein voller Erfolg“, so Ian Davies von easyJet. Geht es nach den Plänen der Airline, wird bereits für Ende 2014 mit einem einsatzbereiten System gerechnet. Erklärtes Ziel: „Wir wollen niemals wieder Szenen wie im Frühjahr 2010 erleben.“ Von der wohl beispiellosen Sperrung des europäischen Luftraums zwischen 15. und 21. April vor drei Jahren waren rund 80 Prozent aller europäischen Flüge betroffen. Über 100.000 Verbindungen wurden gestrichen. Der Bruttoverlust für die Luftfahrtbranche betrug Schätzungen zufolge weit über eine Milliarde Euro.

Forscher schauen auf einen Bildschirm

EBU

Techniker betrachten die von AVOID übermittelten Infrarotbilder

Künftig nur noch kleine Flugroutenänderungen

Das AVOID-Prinzip beruht auf Infrarottechnologie und ähnelt in seiner Funktionsweise einem Wetterradar. Den Plänen zufolge soll es dank der an Bord befindlichen Detektoren möglich sein, eine Aschewolke bereits aus bis zu 100 Kilometer Entfernung zu erkennen. Der erwartete Vorteil: Eine großflächige Luftraumsperrung soll dann nicht mehr notwendig sein, da man bereits durch kleine Änderungen der Flugroute potenziell für die Flugzeugtechnologie gefährliche Aschewolken umfliegen könnte.

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