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Tablet, Smartphone, Datenbrille

78 Prozent der Österreicher besitzen ein Smartphone, die Mehrheit nutzt es auch zum Surfen im Internet. Insgesamt führt die wachsende Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets zu einer deutlichen Zunahme der Internetnutzung. Im Schnitt erfolgt bereits ein Viertel aller Internetzugriffe von einem Mobilgerät.

Prognosen zufolge steigt die weltweite mobile Internetnutzung weiter rasant und wird die stationäre Nutzung in den nächsten Jahren übertreffen. Neue tragbare Computer etwa in Form von Datenbrillen und Armbanduhren sowie vernetzte Dinge wie Autos sollen diesen Trend noch beschleunigen. In China greifen schon jetzt mehr Menschen auf mobiles als auf stationäres Internet zu, so die US-Marktanalysten von Kleiner Perkins Caufield Byers (KPCB).

In Österreich ist das Surfen mit dem Mobiltelefon besonders für jüngere Nutzer - die Digital Natives - eine Selbstverständlichkeit. 88 Prozent der unter 24-Jährigen nutzen laut Statistik Austria das Internet auf dem Handy. In der Gruppe der über 55-Jährigen sind es hingegen halb so viele (44 Prozent). Drei Viertel der mobilen Internetnutzer gehen dabei täglich online, wie aus dem aktuellen „Mobile Communications Report 2013“ der Mobile Marketing Association Austria (MMA) hervorgeht.

Kürzer, aber öfter

Laut Statistik der Österreichischen Webanalyse (ÖWA) wurden die heimischen Medienangebote im Oktober zu 18,9 Prozent von Mobilgeräten abgerufen. Ebenfalls ablesbar ist die Tendenz mobiler Nutzer, zwar kürzer auf einer Website zu bleiben, dafür aber öfter wiederzukommen. Klassisches Beispiel ist etwa der Handynutzer, der auf der „Öffi“-Fahrt nach Hause kurz im Web surft und Nachrichten liest.

Onlinezeit verteilt sich auf mehrere Geräte

„Die Nutzungsintensität hat sich in den letzten Jahren bei vielen Angeboten deutlich erhöht“, so ÖWA-Geschäftsführer Hannes Dünser gegenüber ORF.at. Gleichzeitig sei die durchschnittliche Nutzungszeit leicht gesunken. „Im dritten Quartal 2010 lag die Nutzungszeit im Schnitt aller Angebote bei sechs Minuten und 27 Sekunden, im dritten Quartal 2013 lag die Nutzungszeit im Schnitt aller Angebote nur noch bei fünf Minuten und 15 Sekunden.“

Doch in Summe nimmt die Onlinezeit der Nutzer zu. Denn in der Regel wird später auch noch stationär vom PC oder etwa vom Tablet aus auf der Couch die gleiche Website erneut aufgerufen. Insgesamt stehen einfach mehr Geräte zur Onlinenutzung bereit, auf die sich die Gesamtverweildauer aufteilt.

Apps verdrängen SMS

Besonders stark genutzt werden auch Apps wie Facebook, die als persönliche Nachrichtenzentrale mehrmals täglich besucht werden. 71 Prozent der Smartphone-User nutzen laut MMA-Studie Apps. Ein Drittel der User hat dabei im Durchschnitt bis zu zehn Apps auf dem Handy, ein weiteres knappes Drittel bis zu 20 Apps, und 41 Prozent haben mehr als 20 - meist kostenlose - Apps installiert. Dabei liegen Chat-Anwendung wie WhatsApp und iMessage an der Spitze der App-Downloads, SMS hingegen werden mit dem Smartphone immer weniger verschickt.

Die Statistik der Telekomregulationsbehörde zeigt, wie Instant-Messaging-Dienste zunehmend die SMS verdrängen. Allein im ersten Halbjahr 2013 wurden eine halbe Milliarde weniger SMS verschickt als in der zweiten Jahreshälfte 2012.

Nutzer verbrauchen im Schnitt 664 MB pro Monat

Im Gegensatz dazu steigt das verbrauchte Datenvolumen weiterhin an. Laut RTR wurden im ersten Halbjahr 2013 50.160 Terabyte an Daten mobil konsumiert, in der zweiten Jahreshälfte 2012 waren es 39.230 Terabyte. Die meisten Kunden (84 Prozent) haben dabei ein Smartphone-Tarifpaket mit inkludiertem Datenvolumen. Vor zwei Jahren lag dieser Wert demnach noch bei 33 Prozent.

Zusammenfassend berichtet die RTR, dass der österreichische Handynutzer durchschnittlich 14 Euro monatlich für seinen Mobilfunkvertrag bezahlt und dabei 142,5 Minuten telefoniert, 38 SMS verschickt und ein Datenvolumen von 664 Megabyte (MB) versurft.

Android vor iOS

Die Mehrheit der heimischen Smartphones arbeitet dabei mit dem Android-Betriebssystem (47 Prozent), Apples iOS liegt mit 19 Prozent an zweiter Stelle. Weit abgeschlagen sind die Windows-Phone- (drei Prozent) und BlackBerry-Plattformen (zwei Prozent). Das geht aus dem „Mobile Communications Report 2013“ der MMA hervor.

Mobil und doch zu Hause

Mobil heißt dabei jedoch nicht unbedingt, dass der Nutzer tatsächlich unterwegs ist. Immer mehr User konsumieren Internetinhalte über Smartphones, selbst wenn ein PC im Haushalt vorhanden ist. Zwei Drittel (68 Prozent) der mobilen Suchanfragen an Google werden demnach von zu Hause getätigt, wie aus einer Studie der Marktforscher Nielsen in Zusammenarbeit mit dem Suchmaschinenbetreiber hervorgeht. Weitere neun Prozent der Smartphone-Suchen erfolgen vom Arbeitsplatz aus.

Nur 19 Prozent der Suchanfragen finden laut Nielsen gänzlich auf Wegen außerhalb der privaten oder beruflichen vier Wände statt. Bevor der Nutzer sich extra vor den Desktop-Rechner setzt oder das Notebook hochfährt, holt er demnach lieber schnell das Smartphone aus der Hosentasche. Am Abend auf der Couch hat sich das Tablet als bequemes Recherche- und Kommunikationstool etabliert. Die intuitive Touch-Steuerung und die Möglichkeit der Bedienung mittels Sprachbefehlen erhöhen den Komfort der Mobilgeräte zusätzlich.

Mobiloptimierte Websites besser gelistet

Google hat sich bereits auf die neuen Zugangskanäle ausgerichtet. Seit Juni dieses Jahres macht der Internetkonzern die Platzierung in den Suchergebnissen von der Benutzerfreundlichkeit der jeweiligen mobilen Website abhängig.

Auch ob einmal heruntergeladene Apps auch wirklich genutzt werden, will Google künftig messen. Der US-Konzern soll hier bereits die App „Mobile Meter“ für iOS und Android in Vorbereitung haben, die misst, welche Apps wie oft auf dem Handy geöffnet werden. Die App soll zudem das Surfverhalten der Handynutzer in anonymisierter Form an Google melden. Der Download der Google-Analyse-App soll den Nutzern mit „kleinen Belohnungen“ (in welcher Form, ist nicht bekannt) schmackhaft gemacht werden. Das Sammeln von möglichst detaillierten Nutzerinformationen ist das Kerngeschäft des Konzerns, der am Verkauf zielgruppenspezifischer Werbung verdient.

Beate Macura, ORF.at

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