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„Ein Feld, wo wir Fortschritte sehen“

Bei der laufenden 19. UNO-Klimakonferenz in Warschau soll der Weg für ein weltweites Klimaabkommen geebnet werden, das 2015 in Paris beschlossen werden soll. So lautet zumindest die Vorgabe der nun auf Ministerebene geführten Gespräche. Gestritten wird derzeit aber vor allem um das Gipfelprocedere und ums Geld.

Konkret geht es um die Bewältigung der materiellen, bei Naturkatastrophen entstandenen Schäden, die sich nach Angaben der Weltbank in den vergangenen Jahren vervierfacht haben. Unter dem Eindruck der Verwüstung durch Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen gelten „Loss and Damage“ („Verluste und Schäden“) als die zentralen Schlagworte der Klimakonferenz.

Teilnehmer am UNO-Weltklimagipfel von Warschau

Reuters/Kacper Pempel

Gemeinsamkeit mit bisherigen UNO-Klimagipfeln: Auch in Warschau geben mühsame Verhandlungen kaum Hoffnung auf einen schnellen Durchbruch

Kosten vervierfacht

Dort verwies die Vizepräsidentin für nachhaltige Entwicklung bei der Weltbank, Rachel Kyte, nicht nur auf die in den letzten 30 Jahren bei Naturkatastrophen ums Leben gekommenen 2,5 Millionen Menschen, sondern auch auf die massiv gestiegenen wirtschaftlichen Verluste. Von jährlich 50 Milliarden Dollar (rund 34 Mrd. Euro) pro Jahr seien diese im Vorjahr auf rund 200 Mrd. Dollar (139 Mrd. Euro) angestiegen. Für den genannten Zeitraum habe man es mit Kosten in Höhe von vier Billionen Dollar (2,7 Billionen Euro) zu tun, und diese Summe - so weit sind sich die Gipfelteilnehmer einig - könne von den betroffenen Ländern nicht aus eigener Kraft bewältigt werden.

Als Beispiele wurden von der Weltbank der karibische Inselstaat St. Lucia genannt, der während des Hurrikans „Tomas“ 2010 über 40 Prozent seines Bruttosozialprodukts verlor. Auch die wiederholten Dürren am Horn von Afrika führten nicht nur zu Hunger und Nahrungsmittelknappheit für mehr als 13 Millionen Menschen - allein Kenia verzeichnete materielle Verluste von mehr als zwölf Mrd. Dollar (8,3 Mrd. Euro).

„Aus Kaffeesatz die Zukunft lesen“

Aus Gründen wie diesen werden von der Weltbank auch nachhaltige Investitionen für die betroffenen Länder gefordert. Durch jeden Dollar, der für Klimavorsorge ausgegeben werde, erspare man sich laut Kyte bei künftigen Naturkatastrophen vier bis 35 Dollar. Geht es nach dem UNO-Umweltprogramm UNEP sei man allerdings nicht nur mit steigenden Kosten konfrontiert - bereits jetzt gebe es eine große Lücke zwischen Kosten und den zur Verfügung gestellten Geldern. Dennoch erwarten sich die Entwicklungsländer nun Fortschritte bei den Verhandlungen über Ausgleichszahlungen, wobei sich hier zuletzt auch EU-Klimakommissarin Connie Heedegard zuversichtlich zeigte: „Das ist ein Feld, wo wir wirklich Fortschritte sehen.“

Eine Filipina steht in der Ruine ihres Hauses

Reuters/Wolfgang Rattay

Durch Taifun „Haiyan“ kamen auf den Philippinen Tausende Menschen ums Leben. Ganze Landstriche wurden zerstört.

Umweltgruppen warnten dagegen vor einem Scheitern der Klimagespräche. Vertreter des Klimanetzwerks warfen den Industriestaaten eine Blockadehaltung bei der Einrichtung eines internationalen Mechanismus für den finanziellen Ausgleich von Verlusten und Schäden durch Klimakatastrophen vor. „Aussagen über die finanziellen Ergebnisse zu machen, ähnelt eher dem Versuch, aus dem Kaffeesatz die Zukunft zu lesen“, so ein Sprecher der Hilfsorganisation Oxfam.

„Führungsrolle“ von Industrieländern gefordert

„Die reichen Länder müssen klarmachen, welche zusätzlichen Gelder sie jetzt auf den Tisch legen und wie sie die 100 Mrd. Dollar (69 Mrd. Euro) zusammenbringen wollen, die sie von 2020 an pro Jahr aufbringen wollen“, so Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima. „Wir verlieren an Boden“, warnte auch Sandeep Chamling Raivon der Umweltorganisation WWF. „Diejenigen, die die meiste Verantwortung (für die Erderwärmung) tragen, müssen die Führungsrolle übernehmen, statt sich aufzuführen, als hätten wir noch Jahrzehnte Zeit.“

Geht es nach Agnes Banda vom Panafrikanischen Netzwerk für Klimagerechtigkeit, erwartet man sich ungeachtet der negativen Vorzeichen bereits in Warschau „klare Vereinbarungen zur Klimafinanzierung“ - man wolle nicht auf einen weiteren Klimagipfel warten. Die nächste Runde der seit 1992 abgehaltenen Klimakonferenzen soll 2015 in Paris stattfinden. Der Klimagipfel in Warschau dauert offiziell bis Freitag - dürfte aber wie die Konferenzen in den vergangenen Jahren verlängert werden.

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