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„Prime Air“-Option in vier, fünf Jahren?

Schon jetzt läuft in den riesigen Logistikzentren des Onlinehändlers Amazon vieles automatisiert ab. Mit der Auslieferung mittels unbemannter Flugroboter sollen Waren künftig noch schneller zum Kunden gebracht werden.

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Amazon arbeite bereits an eigenen Fluggeräten, sagte Gründer Jeff Bezos am Sonntag dem US-Fernsehsender CBS. Die Idee sei, dass die achtmotorigen Minidrohnen bestellte Ware binnen 30 Minuten zum Käufer bringen. Die Dienstleistung dürfte kleinen und besonders eiligen Bestellungen auf kurze Entfernung vorbehalten bleiben: Die „Octocopter“ könnten Waren mit einem Gewicht von bis zu 2,5 Kilo transportieren und pro Lieferung etwa 16 Kilometer zurücklegen, so Bezos.

Logistikzentrum von Amazon

AP/David McNew

In gelben Plastikboxen werden die bestellten Waren zusammengefasst und automatisiert weitergeschleust, hier etwa in einem US-Logistikzentrum

„Schaut aus wie Science-Fiction, ist es aber nicht“

Damit könnte das Unternehmen einen Großteil seiner Pakete künftig selbst ausliefern - denn nur rund 14 Prozent aller Amazon-Bestellungen seien schwerer als 2,5 Kilogramm, sagte Bezos. „Ich weiß, das schaut aus wie Science-Fiction, ist es aber nicht.“ Bezos sagte weiter, einer der Gründe zur Einführung des Systems sei es, die führende Position des Konzerns im Einzelhandel abzusichern. „Unternehmen haben kurze Lebensspannen. Amazon wird eines Tages auseinanderbrechen“, sagte Bezos. „Ich wünsche mir, dass das nach meinem Tod geschieht.“

Wie man sich die futuristische Zustelllösung vorstellen kann, zeigt Amazon in einem Video. Der Konzern zeigt darin, wie eines der Fluggeräte eine Bestellung direkt vom Band eines Logistikzentrums abholt und damit vor einem Haus landet. Zu den Lieferadressen finden die Drohnen per Satellitennavigation über GPS.

Amazon " Prime Air"

Amazon

Mit der Ware in der Box hebt die Drohne vom Versandzentrum ab

Weitere Tests nötig

Bezos rechnet damit, die Zustelloption in vier bis fünf Jahren anbieten zu können. Einen Namen für das Service hat er bereits: „Prime Air“. Der Amazon-Chef schränkte jedoch ein, dass noch weitere Tests und Zulassungen der US-Luftfahrtbehörde (Federal Aviation Administration, FAA) nötig seien. Diese arbeitet derzeit daran, generelle Regeln für den möglichen Einsatz unbemannter Drohnen im US-Luftraum aufzustellen.

In Österreich tritt mit 1. Jänner 2014 eine Novelle des Luftfahrtgesetzes in Kraft, die erstmals Regeln für unbemannte Fluggeräte schafft. Das Gesetz unterscheidet dabei zwischen Drohnen mit Sichtverbindung und solchen wie Amazons Zustell-Octocoptern, die ohne Sichtverbindung betrieben werden, und gibt an, wo Genehmigungen für den Betrieb einzuholen sind.

Pizza und Torten auf dem Luftweg

Unternehmen testen schon länger mögliche Einsatzgebiete für die Minidrohnen. Erst im Sommer ließ der US-Pizzazusteller Domino’s mit einem YouTube-Video aufhorchen, das zeigt, wie ein Flugroboter Pizza ausliefert. In Australien stellt der Buchverleih Zookal im Raum Sydney bereits Fachliteratur mit Lieferdrohnen an Studenten zu. Auch in China wird an der Zustellung mit Drohnen experimentiert. Der Paketlieferdienst SF Express testete in der chinesischen Stadt Dongguan bereits die Zustellung mit achtmotorigen Flugrobotern, eine Konditorei in Schanghai lieferte ihre Torten medienwirksam mittels Drohne aus.

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