Themenüberblick

Neuer Stoff zum Lauschen

Von der „ganzen Welt des Wissens“, in eine Handvoll CDs gepackt, über Axel Corti bis hin zu handfester Thrillerspannung aus bewährter Hand und charmanter Bestsellerliteratur: jedem sein Hörbuch - auch in dieser Saison.

Auffrischungsunterricht für Ex-Gymnasiasten

Bayern 2 ist angetreten, „Die ganze Welt des Wissens“ in Form von Hörbüchern aufzuarbeiten. Das Motto hier ist: eingerostetem Allgemeinwissen wieder auf die Sprünge helfen. Mit wechselnden Stimmen gelesen, mit Geräuschen angereichert und da und dort von Instrumenten begleitet, wechselt der Tonfall zwischen „gymnasialem Frontalunterricht“ und schmissig-journalistischer Wissensvermittlung. 13 CDs informieren über: Alte Kulturen, Geschichte, Naturwissenschaft, Philosophie, Religion, Psychologie, Mensch und Gesellschaft sowie Alltagskultur.

Bayern 2: Die ganze Welt des Wissens. Der Hörverlag, CD-Box, circa 1.400 Minuten, 48,99 Euro.

Hände halten CDs

ORF.at/Zita Köver

Faust, ganz anders, als man ihn kennt

Das alte Volksbuch erzählt die Geschichte des Doktor Johann Faust von seinem Pakt mit dem Teufel bis zu seinem Tod. Facetten dieser Geschichte werden von Faust-Texten aus vier Jahrhunderten, geschrieben von Christopher Marlowe, Hermann Hesse und Nikolaus Lenau, beleuchtet. Marlowes Geschichte ist ein Volksstück mit reichlich Moral und ein Drama mit philosophischem Tiefgang. Lenau formt in plastischer Sprache abgründige Seelenbilder, Hesse ironische Prosa. Beethoven, Liszt und Schumann drücken - jeder in seiner eigenen Musiksprache - den Kampf zwischen dämonischen Mächten und göttlicher Gnade aus. Das Merlin Ensemble Wien, Martin Walch (Violine) und Till Alexander Körber (Klavier) erzählen die Geschichte musikalisch, Martin Schwab als Sprecher scheint sich selbst in Faust und in Mephisto zu verwandeln.

Merlin Ensemble, Martin Schwab: Faust. Historia von Doktor Johann Fausten, mit Musik von Liszt, Beethoven und Schumann. Radio Österreich 1, 18,10 Euro.

Radiogeschichten für Jedermann

Cornelius Obonya, der heuer die Rolle des „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen übernommen hat, gehört zweifellos zu den beliebtesten Ö1-Stimmen. Für die von ihm gestalteten Hörspielrollen wurde er 2010 von der Ö1-Hörspielredaktion zum Schauspieler des Jahres gewählt - und immer wieder steht er für Sendereihen, etwa „Du holde Kunst“ und „Radiogeschichten“ gerne zur Verfügung. Aus der Reihe „Radiogeschichten“ stammen auch die vier Erzählungen auf einer CD der Edition RadioLiteratur: „Die verschwundenen Habseligkeiten“ von Hans Magnus Enzensberger, „Ein reelles Unternehmen“ von Jaroslav Hasek, „Bücherliebe“ von Henry Slesar und „Der seelische Ratgeber“ von Siegfried Lenz.

Cornelius Obonya: Radiogeschichten für Jedermann. ORF-Shop, 18,10 Euro.

„Das war der Schalldämpfer“

Axel Cortis literarische, oft satirische Improvisationen waren auf Ö3 jahrzehntelang eine Sensation, ein „Ausreißer“, später ein Fixpunkt auf Ö1. „Der Schalldämpfer“ hat österreichische Radiogeschichte geschrieben - alleine die Kennmelodie und die Abmoderation „Das war der Schalldämpfer“ sind vielen heute noch im Ohr. Corti kommentierte das aktuelle Geschehen - und war dabei ein Meister der Abschweifung. Nun lassen sich ausgewählte Beiträge Cortis auf CD nachhören. Gleich vorweg: Ja, Corti funktioniert auch heute noch.

Axel Corti: Das war der Schalldämpfer. Vol 1. und Vol. 2. ORF-Shop, jeweils 14,50 Euro.

Walter Moers’ Zamonien erwacht zum Leben

Den 2012 verstorbenen Moderator Dirk Bach kann man nun „wiederhören“ - in einer neu arrangierten, mit „zamonischem Sounddesign“ (Space-Geräusche, seltsame Stimmen, Musik) ausgestatteten Hörbuchausgabe von Walter Moers „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“. Der Roman - und also das Hörbuch - richtet sich ja an Erwachsene und nicht an Kinder wie die Fernsehserie. Absurd, spannend, lustig, manchmal sogar beklemmend - satirische Fantasy, durchaus spannend: Moers ist Unterhaltung, abseitig, aber niemals niveaulos.

Walter Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär. Der Hörverlag, 16 CDs, circa 14 Stunden und 20 Minuten, 99,99 Euro.

J. R. R. Tolkien für die Kleineren

Wirklich für Kinder ist jedoch das nächste Hörbuch: J. R. R. Tolkien hat die Geschichte „Abenteuer mit Herrn Glück“ wie so vieles andere auch sogar für seine eigenen Kinder Geschrieben. Die Erzählung für Menschen ab sechs Jahren ist sehr lustig. Herr Glück will Auto fahren - aber erstens liebt er hohe Hüte und zweitens hat er eine Giraffe als Haustür. Das macht es nicht leichter. Sehr kindgerecht und lieb gelesen von Gert Heidenreich.

J. R. R. Tolkien: Herr Glück. Gelesen von Gert Heidenreich. Eine CD, gelesen von Gert Heidenreich, 8,99 Euro.

Hände halten CDs

ORF.at/Zita Köver

Canettis Meisterwerk, meisterlich inszeniert

Eine schöne Box, ein dickes Booklet mit vielen Infos, die Stimmen von Birgit Minichmayr und Samuel Finzi - und allem voran: die unvergleichliche Sprache des Elias Canetti. All das macht das zwölf CDs umfassende Hörspiel „Die Blendung“ zum wahrhaft außergewöhnlichen Genuss. Die irrwitzige Komödie rund um den Sinologen Peter Kien, der von seiner Umgebung - ganz besonders seiner Haushälterin Therese - drangsaliert wird und dem Wahnsinn verfällt, hat man so noch nicht erlebt. Selbst die musikalischen Zwischenspiele sind grandios.

Elias Canetti: Die Blendung. Der Hörverlag, zwölf CDs, 34,99 Euro.

Es geht bergab mit dem Planeten

Stephen Emmott ist Experte für computerunterstützte Intelligenz von Microsoft. Er kennt sich aus mit Prognosen und Statistiken. Dieses Wissen wendet er in seinem knappen Buch und Hörbuch „Zehn Milliarden“ an, um auf den besorgniserregenden Zustand der Erde hinzuweisen. Er reiht einfach Fakten aneinander - was trocken wäre, wäre es nicht so furchterregend. Dieses Buch ist pessimistisch - und seine Thesen leider nicht unplausibel. Man würde es zu Weihnachten gerne Politikern unter den Christbaum legen.

Stephen Emmot: Zehn Milliarden. Suhrkamp, 204 Seiten, 15,40 Euro.

Stephen Emmot: Zehn Milliarden. Der Audio Verlag, 85 Minuten, 15,99 Euro.

Jonasson, schnarrend und liebenswert gelesen

Der Bestseller des Jahres in Hörbuchform: Jonas Jonasson, der mit „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“ bereits einen Sensationserfolg gefeiert hatte, schloss nun nahtlos mit „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ daran an. Schon alleine die Kapitelüberschriften überzeugen: „Von einer Bombe, die es nicht gab, und einem Ingenieur, den ziemlich bald dasselbe Schicksal ereilte“. Wer’s charmant, witzig und gefühlvoll mag, ist hier richtig - auch und gerade bei der Hörbuchversion, vorgelesen von Katharina Thalbach, mit ihrer schnarrenden, liebenswerten Stimme.

Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte. Der Hörverlag, sechs CDs, 13,99 Euro.

Ein 15-jähriger Gangster ermittelt

Jussi Adler-Olsen ist ein dänischer Thrillerprofi - da weiß man, dass man anständige Spannungsliteratur kauft. „Erwartung“ ist da keine Ausnahme, auch wenn so mancher Fan meint, die ersten Fälle des Kommissars Carl Morck seien noch packender gewesen. Schauspieler Wolfram Koch (bekannt aus diversen „Tatort“-Folgen) liest mit seiner angenehmen Stimme, die nie der Story im Weg steht, die Geschichte über einen 15-Jährigen vor, der zuerst einer Jugendgang angehört, aus seiner Community gerissen wird und schließlich um jeden Preis einen Mord aufklären will. Kommissar Morck ermittelt auch - in seinem bereits fünften Fall.

Jussi Adler-Olsen: Erwartung. Der Audio Verlag, acht CDs, circa 668 Minuten, 25,99 Euro.

Simon Hadler, ORF.at

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