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Scanner zeichnet Leistung auf

Gerade in der Vorweihnachtszeit steigt das Arbeitspensum beim Onlinehändler Amazon um ein Vielfaches. Um es zu bewältigen, werden in dieser Zeit an die 15.000 Arbeiter zusätzlich angestellt. So auch der 23-jährige BBC-Journalist Adam Littler, der seine Tätigkeiten in der Amazon-Lagerhalle in Swansea (Wales) im Geheimen dokumentierte.

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In den Aufzeichnungen ist zu sehen, wie Littler als Lagerarbeiter eingesetzt wurde. Dabei wurde ihm über Kopfhörer mitgeteilt, wo er welches Paket in der Lagerhalle einzusammeln und zu verräumen habe. Für jeden einzelnen Auftrag wurde Littler außerdem eine gewisse Zeit vorgegeben, die während des Arbeitsvorgangs im Sekundentakt herabgezählt wurde. Machte der 23-Jährige eine Fehler, schlug der Scanner, den die Arbeiter ständig mit sich führen mussten, sofort Alarm.

Jeder Arbeitsschritt wurde aufgezeichnet

„Wir denken nicht für uns selbst - vielleicht vertrauen sie uns nicht, dass wir das können“, beschrieb der Reporter aus seiner Sicht die Situation am Arbeitsplatz. Little wurde bei seinen oft mehr als zehnstündigen Nachtschichten durch die komplette Lagerhalle geschickt: In Summe legte der 23-Jährige rund 18 Kilometer pro Schicht zurück. Der Scanner zeichnete dabei seine Erledigungsrate auf. Seine Leistungen wurden dann direkt den Managern von Amazon übermittelt, so Littler. War er dabei zu langsam, musste er disziplinarrechtliche Konsequenzen fürchten.

Lagerarbeiter in einem Logisitkzentrum von Amazon

Reuters/Phil Noble

Lagerarbeiter in einem Logistikzentrum von Amazon

Seine gefilmten Ergebnisse legte Littler Michael Marmot, einem führenden Experten in Sachen Belastungen am Arbeitsplatz, vor. In einer ersten Reaktion fasste Marmot diese wie folgt zusammen: Das Charakteristische an dem Job und die vorgelegten Beweise würden eindeutig belegen, dass sich das Risiko von mentaler und physischer Krankheit erhöhe.

Amazon bestreitet erhöhtes Krankheitsrisiko

Damit konfrontiert wies Amazon die Vorwürfe vehement von sich. Laut offiziellen Sicherheitsinspektionen gebe es keine Beschwerden. Auch ein vom Unternehmen herangezogener, unabhängiger Experte würde bestätigen, dass es in vergleichbaren Jobs in vielen anderen Branchen kein erhöhtes Krankheitsrisiko gebe, so das Unternehmen. Es gebe zwar immer körperlich anstrengende Jobs, erwiderte Marmot, aber man könne diese eben schlechter oder auch besser ausüben.

Der Onlinehändler bestätigte sogar, dass neue Arbeitnehmer in gewissen Positionen davor gewarnt werden, dass diese körperlich anstrengend sein können. Das Unternehmen gab aber gleichzeitig an, dass manche Arbeiter auch diese körperliche Betätigung genießen würden. Zudem erstelle man die Produktivitätsziele objektiv, basierend auf dem Leistungslevel der Arbeitskraft. Hinsichtlich der langen Nachtschicht verwies der Onlineriese darauf, dass die Arbeitnehmer eine Stunde Pause hätten und zudem nur vier Tage pro Woche arbeiten müssten.

Zehnstundenschicht arbeitsrechtlich prekär

Rechtsexperten warnten aber davor, dass eine Zehnstundenschicht mit arbeitsrechtlichen Regelungen nicht konform sei. Amazon konterte, man habe rechtlichen Rat beigezogen, und die Nachtschicht entspreche den gesetzlichen Vorgaben. Amazon verwies weiters darauf, dass das Unternehmen allein in Großbritannien 5.000 Arbeitsplätze geschaffen habe. Das Unternehmen ergänzte außerdem, dass der Onlineversandhandel schließlich auf das gute Urteil seiner Mitarbeiter aufbaue und dass sie „hart arbeiten, um sicherzustellen, dass sie morgen besser sind als heute“.

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