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Kundentäuschung bei Suchergebnissen?

Es sind zwei ungleiche Gegner, die sich demnächst vor Gericht begegnen werden: auf der einen Seite die britische Kosmetikkette Lush, die mit ökologischen und ethischen Produkten wirbt, und auf der anderen Seite Amazon, der Internetgigant, der nicht nur ob seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik steht. Lush wirft Amazon Markenverletzungen vor und hat Klage eingereicht.

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Die Naturkosmetikkette lässt ihre Produkte nicht auf Amazon verkaufen. Allerdings ergibt die Suche nach Lush auf Amazon eine ganze Reihe an vorgeschlagenen Produkten, bunte Seifen und Badezusätze, die nicht von Lush stammen, aber sehr ähnlich aussehen.

Kunden getäuscht?

Die Suchergebnisse würden Produkte liefern, die nicht von Lush hergestellt wurden, heißt es in den bei Gericht eingereichten Unterlagen. Amazon hätte auch für die Worte „Lush Badeprodukte“ bei Googles Anzeigendienst AdWords geboten, obwohl Amazon keine Produkte von Lush anbietet. Lush fordert zudem eine Erhebung, inwieweit Kunden auf der Amazon-Website durch die Suchergebnisse getäuscht werden. Ein Urteil wird Anfang 2014 erwartet, berichtet der „Guardian“.

Screenshot amazon.de

www.amazon.de

Zum Verwechseln ähnliche Produkte

Lush-Mitgründer Mark Constantine geht mit Amazon jedenfalls hart ins Gericht. Der Internetriese würde andere Firmen schikanieren, damit sie den Unternehmen ihre Dienste aufzwingen könnten. Das haben wir verweigert, sagte er der britischen Sonntagszeitung „Observer“: Das Verfahren habe schon eine halbe Million Pfund gekostet, um „unser Geschäft zu verteidigen“. Die meisten andern Unternehmen würden sich das nicht leisten können. „Aber wir haben es getan, weil es eine Frage des Prinzips ist.“

Kaum Steuern in Großbritannien bezahlt

Amazon habe nicht einmal ein brauchbares Geschäftsmodell, wird Constantine in der langen Reportage über den Onlinehändler zitiert. Die einzige Möglichkeit, das zu betreiben, sei keine Steuern zu zahlen. Der Lush-Gründer spielt damit auf die harsche Kritik an Amazon ob seiner „steuerschonenden“ Unternehmensstruktur an.

Denn während in Deutschland vor allem der Umgang mit Arbeitsrechten im Fokus steht, ärgert man sich in Großbritannien darüber, dass der Konzern kaum Steuern zahlt: Trotz Umsätzen von über vier Milliarden Pfund und 4.000 Mitarbeitern in Großbritannien zahlte Amazon dank Auslagerung der Zentrale nach Luxemburg 2012 nur 2,4 Millionen Pfund Steuern. Gleichzeitig erhielt man 2,5 Millionen als Subventionen.

„Überwunden geglaubter Kapitalismus“

Amazon würde eine Art „Piratenkapitalismus“ betreiben, so Constantine weiter. Der Konzern „stürme“ in Länder, hole das Geld heraus und bringe es in sichere Häfen. Es brauche eine politische Debatte darüber, wenn Unternehmen kaum Steuern zahlen. „Das ist die hässliche Rückkehr eines ausbeuterischen Kapitalismus, den wir vor einem Jahrhundert hatten und den die Gesellschaft eigentlich als obsolet erklärt und überwunden hat.“ Von Amazon gab es keine Stellungnahme zu den Anschuldigungen.

Lushs weiße Weste mit kleinen Flecken

Constantine hatte vor der Gründung von Lush gemeinsam mit seiner Frau Mo bereits als Zulieferer für die Kosmetikkette BodyShop gearbeitet. 1994 riefen sie Lush ins Leben und vermarkten ihre Produkte vor allem mit dem Siegel der politischen Korrektheit: Keine Tierversuche und ökologische Ausgangsmaterialien sowie ethische Standards haben sie sich an die Fahnen geheftet. Zwei Prozent des jährlichen Gewinns, der mit den bunten und vor allem geruchsintensiven Seifen und Badezusätzen erwirtschaftet wird, geht an karitative Organisationen, zumeist für Umweltkampagnen.

Vor einigen Jahren tauchten Berichte auf, nachdem auch Mitarbeiterinnen in den Lush-Filialen keineswegs freundlich behandelt werden. Von Ausbeutung, Sexualisierung und erzwungener Überidentifikation mit der Unternehmenslinie war die Rede, der weißen Weste der Firma konnten sie aber kaum etwas anhaben. Lush betreibt über 800 Shops in 50 Ländern, in Österreich ist die Kette mit sieben Filialen vertreten.

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