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Mit Handy in Geschäften „einchecken“

Der Onlinehandel ist dem Bezahldienst PayPal nicht mehr genug: Die Tochterfirma der US-Handelsplattform eBay hat ein System entwickelt, mit dem Kunden über ihr Smartphone automatisch in Geschäften erkannt werden können. Sie können dann vom Händler persönlich betreut werden und auch über ihr Telefon bezahlen.

PayPal will die Technik mit dem Namen „Beacon“ schon Anfang kommenden Jahres einführen, sagte Firmenchef David Marcus gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Vorerst kommt das System nur in den USA zur Anwendung, vom zweiten Halbjahr 2014 an soll es auch in Europa vertrieben werden. Die Smartphones fangen dabei Signale kleiner Beacon-Sendestationen ein, die in den Geschäften installiert sind.

Wenn die Kaffeehausrechnung per E-Mail kommt

Der Schutz der Privatsphäre sei gewährleistet, betonte Marcus. Der Nutzer entscheide beim ersten Kontakt, ob er die Verbindung zur Sendestation herstellen und beim nächsten Besuch auch automatisch einchecken wolle. Statt GPS-Ortung wird Bluetooth eingesetzt. Marcus sieht die Technologie als wichtigen Baustein für den Wandel des Einzelhandels: „Ich wäre schockiert, wenn man in vier Jahren in großen Städten zum Einkaufen noch seine Brieftasche mitnehmen müsste.“

Getestet wird das System in Berlin. Die „Check-in“-Lösung soll ihren Feldversuch zunächst in Cafes, Restaurants und Bars rund um den Rosenthaler Platz testen. Partner dabei ist Orderbird, ein Anbieter von iPad-Kassensystemen für die Gastronomie. Der Bezahlvorgang erfolgt laut den Angaben von PayPal einfach durch das Vorlegen der Rechnung durch den Wirt und die Einverständniserklärung des Gastes. Den Beleg erhält der Gast via E-Mail.

Wettlauf um digitales Zahlen voll entbrannt

PayPal ist bei weitem nicht allein mit der Idee, das Begleichen von Rechnungen auch im realen Leben vollends zu digitalisieren. Der Bereich ist im Gegenteil derzeit Schauplatz einer Materialschlacht aller Branchenriesen. Amazon und Facebook arbeiten fieberhaft am Aufbau eigener Bezahldienste, Google legt eine eigene Bezahlkarte auf. Mit Hilfe der kostenfreien Guthabenkarte solle in Geschäften eingekauft und Bargeld am Automaten abgehoben werden, teilte der US-Internetkonzern Ende November mit.

US-Kunden sei es möglich, auf die im Onlinebezahlsystem Google Wallet hinterlegten Einlagen zuzugreifen. Diese elektronische Geldbörse ermöglicht es, mittels eines entsprechenden Handyprogramms zu bezahlen und Geld zu überweisen. Laut Google wird die neue Karte in Millionen Geschäften akzeptiert werden. Vom Kartenbesitzer würden keine monatlichen oder jährlichen Gebühren verlangt. Die Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa werben mit eigenen Versionen einer elektronischen Geldbörse um Kunden.

Kundendaten, so weit das Auge reicht

Klassische Geldhäuser dürften besonders die Ambitionen von PayPal und eben Google kritisch beäugen, die dank ihrer traditionellen Internetaktivitäten bereits über viele Kundendaten verfügen. Google baut sein Angebot vor allem aus, um mehr wertvolle Informationen über das Einkaufsverhalten der Verbraucher zu erhalten. Diese Daten kann der weltgrößte Suchmaschinenanbieter dann wiederum an Werbekunden verkaufen.

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