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„Lufsig“ klingt in China wie Schimpfwort

Die Opposition in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong hat seit dem Wochenende ein neues Maskottchen: einen Plüschwolf. Das Stofftier war am Dienstag laut internationalen Medienberichten in der Millionenmetropole nirgends mehr zu bekommen.

Am Sonntag hatte ein Mann während einer Versammlung ein Exemplar davon auf Regierungschef Leung Chun Ying geworfen und dem Wolf im Karohemd damit zu seiner plötzlichen Popularität verholfen. Die letzten Exemplare davon aus dem Sortiment des schwedischen Einrichtungshauses Ikea seien Dienstagfrüh zu Hunderten verkauft worden, berichtete die britische BBC.

Angeblich standen Regierungsgegner vor dem Aufsperren bereits Schlange, um eines der Stofftiere zu ergattern. Laut Ikea Hongkong begann der Ansturm um 7.00 Uhr, um 11.10 sei der Wolf ausverkauft gewesen. Eine neue Lieferung gebe es wieder im Jänner.

„Wie gemacht als Werkzeug des Protests“

Offenbar passt das Stofftier aus Sicht seiner Gegner besonders gut zum Chef der Sonderverwaltungszone: Leung werde gerne als „Wolf“ tituliert, einerseits weil er als besonders gerissen gelte, andererseits aber auch weil sein Name ganz ähnlich klinge wie die chinesische Übersetzung für „Wolf“, hieß es. Der schwedische Name des Wolfs, „Lufsig“, bzw. der Satz „Wirf einen ‚Lufsig‘“ ähnle wiederum vom Klang her im südchinesischen Kantonesisch einer relativ vulgären Beschimpfung.

Der Wolf mitsamt seinem Namen sei folglich „wie gemacht als Werkzeug des Protests gegen Leung“, hatte Yuen Chan, Lektorin für Journalismus an der Universität Hongkong, am Montag in einem Kommentar für die Huffington Post geschrieben, noch bevor das Stofftier restlos ausverkauft war. Sie habe den Namen erst einmal gar nicht glauben können und sich erst selbst auf der Ikea-Website für Festlandchina davon überzeugen müssen, dass das Stofftier tatsächlich so heißt.

Überraschende Popularität

Ikea habe die plötzliche politische Aufladung des Kinderspielzeugs nicht kommentiert, aber darauf verwiesen, dass keines seiner in Hongkong angebotenen Produkte chinesische Namen trage, auch nicht Plüschtiere, hieß es von der BBC. Natürlich hat „Lufsig“ mittlerweile auch seinen Fixplatz in Sozialen Netzwerken wie Facebook. Dort findet sich der Ikea-Wolf mit bereits deutlich über 40.000 Fans (Stand Dienstagabend) in allen möglichen Posen.

Unzufriedenheit mit Diktat Pekings

Hongkong war bis 30. Juni 1997 britische Kronkolonie. Seit der Rückgabe an China hat die Stadt einen halbautonomen Status innerhalb der Volksrepublik. Allerdings mehren sich in letzter Zeit die Klagen, Peking mische sich zu sehr in die internen Angelegenheiten Hongkongs ein. Die Chefs der Sonderverwaltungszone werden von einem von Peking gelenkten Wahlgremium bestimmt. Leung ist seit letztem Jahr im Amt und nicht besonders beliebt. Hinzu kommt wirtschaftliche Unzufriedenheit, nachdem die Einkommensunterschiede in der Stadt immer größer werden und die Immobilienpreise stark steigen.

In den vergangenen Monaten kam es auch mehrfach zu Protesten gegen die Führung der Sonderverwaltungszone und den chinesischen Einfluss. Im Oktober gingen anlässlich des 64. Jahrestags der Gründung der Volksrepublik in Hongkong Oppositionelle auf die Straße, um gegen Menschenrechtsverletzungen in Festlandchina zu demonstrieren. Im Sommer protestierten mehrere tausend Menschen zum 16. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China gegen die Führung in Peking. Damals waren auch Slogans wie „Nieder mit der chinesischen Kommunistischen Partei“ und „Demokratie jetzt“ auf der Straße zu sehen. Manche Teilnehmer schwenkten auch Fahnen der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien.

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