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„Er wird das meistern“

„Er ist ein junger Mann, er ist engagiert und er wird das meistern.“ Mit Worten wie diesen hat Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger den Wechsel vom bisherigen Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz ins Außenministerium verteidigt. Dennoch zeigt man sich auch im Ausland über den erst 27-Jährigen erstaunt.

Der Karrieresprung des ÖVP-Hoffnungsträgers sorgt aber auch hierzulande weiter für Gesprächsstoff, wobei nicht nur das Alter und die fehlende außenpolitische Erfahrung, sondern auch die Zusammenlegung der Integrationsagenden mit dem Außenressort kritisch betrachtet werden. Dazu kommt, dass im Gegensatz zur bisherigen Regierung künftig auch kein Staatssekretär dem Außenminister unter die Arme greifen kann.

„Schauen wir in sechs Monaten“

Geht es nach Spindelegger, ist die Aufgabe für seinen Nachfolger im Außenministerium nicht nur meisterbar - ganz im Gegenteil könne Kurz nun seine im Staatssekretariat gesammelten Erfahrungen in „größerer und breiterer Front umsetzen“. Spindelegger zeigte sich jedenfalls überzeugt, dass Kurz auch im Außenministerium eine „hervorragende“ Figur machen werde. „Schauen wir in sechs Monaten weiter, wenn er sich schon bewährt hat“, so der Vizekanzler in der ZIB2.

Auch bei der offiziellen Vorstellung des Regierungsprogramms am Freitagabend wies Spindelegger Bedenken über Kurz’ Nominierung strikt zurück. Es gebe keinen Zweifel, dass der bisherige Integrationsstaatssekretär trotz nicht gerade üppiger außenpolitischer Erfahrung ein guter Außenminister sein werde. Kurz habe schon als Integrationsstaatssekretär gezeigt, dass er Brücken bauen könne, was eine der wichtigen Aufgaben im Außenamt sei. Zudem habe er bereits bewiesen, dass er neue Herausforderungen sehr schnell bewältigen könne.

Auch Karmasin verteidigt

Erneut verteidigt wurden von Spindelegger auch die Nominierungen des Strafverteidigers Wolfgang Brandstetter zum neuen Justizminister und der Meinungsforscherin Sophie Karmasin zur Familienministerin. Letztere sei jedenfalls kein „lächerlicher PR-Gag“, wie von den „Salzburger Nachrichten“ vorgeworfen. Vielmehr sei Karmasin „offen, tough und eine Mutter“ und sei zudem ein Mensch, „mit dem ich gut kann“. Aus diesem Grund habe er sie ins Regierungsteam geholt, so Spindelegger, der gleichzeitig eingestand, dass der Gestaltungsspielraum im Familienministerium „ein kleiner“ sei, in der Ö1-Sendereihe „Im Journal zu Gast“ - mehr dazu in oe1.ORF.at.

„Alter spielt international keine Rolle“

Die Kritik an Kurz’ Bestellung zum Außenminister kann unterdessen auch der Direktor der Diplomatischen Akademie Wien, Hans Winkler, nicht nachvollziehen: Auf dem internationalen Parkett spiele das Alter keine Rolle, „es kommt vielmehr darauf an, wie man auftritt“. Auch dass der 27-jährige Kurz ob seines Alters möglicherweise nicht von allen altgedienten Diplomaten des ehrwürdigen Hauses am Minoritenplatz anerkannt werden könnte, fürchtet Winkler nicht. „Das Klischeebild von Diplomaten als alten Schnöseln ist überholt, der heutige Diplomat ist ein Profi, das Außenministerium schon seit Jahren ein hochprofessioneller Betrieb.“

Persönlich halte er Kurz für einen „jungen, sehr eloquenten und intelligenten Menschen“, der seinen Job sicherlich „hervorragend“ erledigen werde. Seine Bestellung sei „ein positives Zeichen“ und das hätten bisher auch „alle Kollegen mit denen ich im Außenministerium gesprochen habe, so gesehen,“ sagt der Diplomat. Laut dem ehemaligen Generalsekretär im Außenministerium, Albert Rohan, erfüllt Kurz jedenfalls alle nötigen Voraussetzungen, um frischen Wind in Österreichs Außenpolitik zu bringen - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Beim „Standard“ äußerte man die Hoffnung, dass Kurz mit Unterstützung eines guten Beraterstabes schnell lernen werde, „was eigentlich nicht auf die Schnelle zu lernen ist“. Als größte Aufgabe von Kurz gilt es der Zeitung zufolge „das Inland von der Notwendigkeit einer österreichischen Außenpolitik zu überzeugen“ - handle es sich bei Österreich doch um ein Land, „das zwar eine Menge guter Diplomaten, aber eben kaum versierte Außenpolitiker hat“. Laut „profil“ ist Kurz jedenfalls „ein Meister im Spiel mit Symbolen und Codes“ und als „Kontrastprogramm zu den üblichen ministrablen Gesichtern der vielleicht interessanteste Politiker seit Langem“.

Jüngster EU-Außenminister

Mit 27 Jahren wird Sebastian Kurz (ÖVP) nicht nur der jüngste Minister der Zweiten Republik, sondern auch der jüngste Chefdiplomat innerhalb der EU. Mit dem Bulgaren Kristian Wigenin (38), dem Esten Urmas Paet (39) und dem Letten Edgars Rinkevics (39) hat er aber immerhin drei europäische Amtskollegen unter 40.

Ausland staunt über „Wunderwuzzi“

Kurz’ Karrieresprung ins Außenministerium sorgt auch im Ausland für Erstaunen. Im deutschen „Spiegel“ ist mit Anspielung auf Kurz’ „Geilomobil“-Wahlkampf bei der Wiener Landtagswahl im Jahr 2010 von einem gereiften „Polit-Hallodri“ die Rede. Nun mache der „Wunderwuzzi“ Karriere, Kurz wird von dem Nachrichtenmagazin zudem zur „letzten Hoffnung“ der ÖVP hochstilisiert. „Ganz schön fesch“ lautet unterdessen das Urteil der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“), in der man sich nicht nur Sorgen über das noch abzuschließende Jurastudium machte, sondern auch auf den zweiten großen Karrieresprung innerhalb von knapp drei Jahren verwies.

Für Schlagzeilen wegen seines Alters sorgte Kurz aber nicht nur in Deutschland. Unter anderem zeigte man sich auch beim italienischen „Corriere della Sera“ und bei dem in Frankreich ansässigen TV-Sender Euronews erstaunt. Geht es nach dem Schweizer „Blick“ dürfte es sich um „eine der steilsten Politikerkarrieren“ handeln und für „Milchbubi“ Kurz um einen „Quantensprung“. In Diplomatenkreisen, so die „Neue Zürcher Zeitung“ („NZZ“), betrachte man „die Vorstellung, dass der Jungpolitiker mit John Kerry oder Catherine Ashton am Verhandlungstisch sitzt“ unterdessen dennoch mit „großer Skepsis“.

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