Japans Premier besucht umstrittenen Kriegsschrein

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat heute mit einem Besuch des umstrittenen Kriegsschreins Yasukuni scharfen Protest in China und Südkorea ausgelöst.

Abe war der erste Regierungschef seit sieben Jahren, der den symbolträchtigen Ort zu Ehren der Kriegstoten besuchte. Fernsehbilder zeigten ihn, wie er sich vor dem Schrein verbeugte und dann einem Priester ins innere Heiligtum folgte. Danach sagte Abe vor Journalisten, es sei eine Selbstverständlichkeit für einen Regierungschef, jenen die Ehre zu erweisen, die für ihr Land gestorben seien. „Ich habe nicht die Absicht, die Gefühle des chinesischen oder des koreanischen Volkes zu verletzen“, hob Abe hervor.

„Herumtrampeln“ auf Gefühlen der Chinesen

Das chinesische Außenministerium verurteilte den Besuch postwendend in scharfen Worten. In einer Erklärung wurde Abe „schamloses“ Verhalten vorgeworfen. Der japanische Ministerpräsident trampele auf den Gefühlen der Chinesen und anderer Nationen herum. Ein Vertreter der südkoreanischen Regierung äußerte Bedauern und Verärgerung über Abes Besuch.

Im Yasukuni-Schrein werden zusammen mit den japanischen Kriegstoten auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Der Besuch von Politikern führt immer wieder zum Streit mit China und Südkorea, in denen der Schrein als Symbol des japanischen Militarismus gilt und die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch lebendig ist. Japans Beziehungen zu den beiden Staaten sind seit Monaten wegen Territorialstreitigkeiten belastet. Zuletzt hatte der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi den Schrein besucht. Seine Amtszeit endete 2006.