Nordirland: Untersuchung Hunderter Kindesmissbrauchsfälle

In einem bisher nicht gekannten Ausmaß sollen in Nordirland in den nächsten Monaten Hunderte Fälle von Kindesmissbrauch aufgearbeitet werden. Bei der öffentlichen Untersuchung geht es um Vorfälle aus den Jahren 1922 bis 1995 in Kinderheimen und anderen öffentlichen Institutionen, wie es gestern von der richterlichen Untersuchungskommission hieß.

Am Ende soll entschieden werden, ob der Missbrauch systematisch erfolgte und die Behörden versagt haben. In Fällen, in denen es möglich ist, sollen Untersuchungen der Polizei und Verfahren angestoßen werden.

Bisher meldeten sich 430 Opfer

Im Vorfeld hatten sich mehr als 430 mutmaßliche Opfer gemeldet. Es geht um körperlichen, sexuellen und emotionalen Missbrauch sowie um die Vernachlässigung von Kindern. Zu den Heimen, in denen es zu dem Missbrauch gekommen sein soll, gehören Einrichtungen sowohl des Staates als auch der katholischen Kirche.

Die Anhörungen von mutmaßlichen Opfern, Mitarbeitern der Heime und der Behörden sowie weiteren Zeugen sollen etwa 18 Monate dauern. Bereits seit 2012 hatte es Befragungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegeben. Viele Opfer hätten jahrzehntelang auf eine solche Untersuchung gewartet, sagte Ausschussmitglied Christine Smith. Der Vorsitzende Richter Anthony Hart rief alle Beteiligten zu Offenheit auf.