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Schwieriger Markt mit zwei Gesichtern

Nestle, der weltgrößte Lebensmittelhersteller, will seine Strategie auf dem indischen Markt ändern. Es sei ein großer Irrtum gewesen, sich nicht verstärkt auf die wachsende wohlhabende Kundenschicht zu konzentrieren. Stattdessen habe man in den vergangenen Jahren vor allem auf die große Masse in der Mitte gesetzt.

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Das sei ein „Fehler“ gewesen, so Nandu Nandkishore, der Leiter der Asien-Sparte bei Nestle gegenüber der „Financial Times“ („FT“). Man habe die wohlhabendere Kundenschicht schlicht ignoriert. Nestle lukriert in Schwellenmärkten mittlerweile 43 Prozent seiner weltweiten Einnahmen in der Höhe von fast 100 Milliarden Dollar.

Zwar trägt Indien dazu bisher nur einen kleinen Teil bei, Nestle hat in den vergangenen Jahren jedoch seine Bemühungen, auf dem indischen Markt Fuß zu fassen, massiv verstärkt. In den letzten vier Jahren wurden 570 Millionen Dollar investiert, um Produktionskapazitäten in dem Land auszubauen.

Kaufkraft der Masse leidet

Ein abgeschwächtes Wirtschaftswachstum in dem einstigen Hoffnungsmarkt zwingt den Mutterkonzern von Maggi, Nespresso, KitKat und Co. aber zum Umdenken. Die Kaufkraft der großen Masse leidet unter dem stotternden Wirtschaftsmotor und einer hohen Inflation. Das bekommt Nestle stark zu spüren. Bis 2011 sei man auf dem indischen Markt um bis zu 20 Prozent jährlich gewachsen - im letzten Jahr brach der Wert drastisch ein, das Plus betrug im dritten Quartal des letzten Jahres nur noch acht Prozent.

„Arbeiten daran, Kluft zu schließen“

Gleichzeitig jedoch explodiert die Nachfrage einer wachsenden wohlhabenden Konsumentenschicht im Hochpreissegment. „Wir arbeiten daran, diese Kluft zu schließen“, so Nandkishore. Die Budgets dieser Haushalte seien weitaus unempfindlicher gegenüber Wirtschaftsschwankungen. Die große Herausforderung für internationale Konzerne sei es, eine Struktur aufzubauen, die sowohl den eher ärmeren ländlichen Markt als auch eine wohlhabende Konsumentenschicht bedient. Am schwierigsten sei es, in der Mitte zu Wachsen, so der Nestle-Manager.

Inflation und Währungsverlust als Bremsen

Indien leidet unter der drastischen Abwertung seiner Währung. Dadurch werden Importe teurer. Die steigende Inflation schmälert die Kaufkraft der Verbraucher. Die Weltbank hat zuletzt ihre Wachstumsprognose für Indien wegen der schwächelnden Industrie deutlich gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde wohl in dem bis März 2014 laufenden Haushaltsjahr nur noch um 4,7 statt der bisher erwarteten 6,1 Prozent zulegen, teilte die Organisation mit.

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