Marokko kippt Gesetz für straffreie Vergewaltigung

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Nach erbitterten Protesten hat Marokkos Parlament ein umstrittenes Gesetz zur Strafbefreiung von Vergewaltigern gekippt, die ihre minderjährigen Opfer nach der Tat heiraten.

Die schon vor einem Jahr von der islamistischen Regierung vorgeschlagene Änderung des fraglichen Strafrechtsartikels sei gestern einstimmig verabschiedet worden, hieß es aus Parlamentskreisen.

Das Gesetz hatte insbesondere nach dem Suizid der 16-jährigen Amina al-Filali im März 2012 für Schlagzeilen gesorgt. Die Jugendliche hatte sich das Leben genommen, nachdem sie zur Heirat mit ihrem Peiniger gezwungen worden war. Die Regierung hatte nach der Selbsttötung Filalis eine Überprüfung des Gesetzes angekündigt.

NGOs sehen noch weiten Weg

Die nun erfolgten Änderungen wurden von Menschenrechtsvertretern zwar begrüßt, allerdings wiesen sie auch auf weiterhin bestehende Diskriminierungen hin: Was die Geschlechtergleichheit, den Schutz von Frauen vor Gewalttätern und das Verbot der Kinderehe angehe, gebe es in Marokko noch immer Nachholbedarf, erklärten Amnesty International und andere Organisationen.

In der 2011 überarbeiteten marokkanischen Verfassung wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau zwar festgeschrieben, im Alltag angekommen ist dieser Grundsatz aber noch nicht. Einer offiziellen Studie zufolge sind neun Prozent der marokkanischen Frauen schon mindestens einmal sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen, mehr als die Hälfte aller Gewalttaten gegen Frauen geht vom Ehepartner aus. Die Vergewaltigung der eigenen Ehefrau gilt in Marokko nicht als Verbrechen.