Themenüberblick

Festnahmen, Verletzte, zerstörte Autos

Die Krawalle nach den Demonstrationen gegen den Wiener Akademikerball am Freitagabend haben laut Angaben der Polizei Sachschäden in einer Höhe von über einer Million Euro verursacht. Freunde haben sich die Randalierer damit auch bei der friedlichen Mehrheit der Kundgebungsteilnehmer mit hoher Wahrscheinlichkeit keine gemacht.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Laut Angaben der Exekutive vom Samstag wurden 15 Personen festgenommen und über 20 verletzt. Die Proteste von rund 6.000 Menschen waren - trotz eines Großaufgebots von Sicherheitskräften und umfangreicher Platzsperren - zumindest punktuell eskaliert. Die Kosten für den Einsatz belaufen sich laut Polizeisprecher Roman Hahslinger auf etwa eine Million Euro. Die weitere Bilanz am Samstag: Insgesamt elf Streifenwagen sind ein Totalschaden, bei der Polizeiinspektion Am Hof wurden sämtliche Fenster eingeschlagen, dasselbe passierte auch bei zahlreichen Geschäften in der City, privaten Pkws und Büros.

Vermummte Demonstranten zerstören Polizeistation

ORF.at/Roland Winkler

Die Polizei spricht von „willkürlicher Gewalt“

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bedankte sich am Samstag per Aussendung bei der Polizei. Sie verwies darauf, dass es nicht die Exekutive sei, die entscheide, „wo und wann welcher Ball stattfinden darf oder nicht“. Außerdem bedauerte die Innenministerin, „dass eine Gruppe gewaltbereiter Chaoten“ die Mehrheit der friedlichen Demonstranten diskreditiere.

Demonstranten werfen mit Gegenständen

ORF.at/Roland Winkler

Auf dem Stephansplatz kam es zu heftigen Zwischenfällen

Seltener Konsens bei Kritik an Randalierern

Damit war das Innenministerium - was eher selten der Fall ist - auf einer Linie mit SOS Mitmensch. Für die Initiative betonte deren Sprecher Alexander Pollak in einer Presseaussendung, er sei froh, dass es „sehr viele Menschen als Provokation und Schande empfinden, wenn eine von Rechtsextremen zur Vernetzung benutzte Ballveranstaltung in den Räumen der Republik stattfindet“.

Allerdings sagte Pollak auch: „Niemand hat das Recht, diesen Umstand für Randale zu missbrauchen. Das, was sich rund um den Stephansplatz abgespielt hat, ist scharf zu verurteilen.“ Die friedliche Mehrheit der Kundgebungsteilnehmer würde dadurch „zu Unrecht in Misskredit gebracht“.

Vermummte Randalierer

ORF.at/Roland Winkler

Geworfen wurde mit Steinen, Flaschen und Mistkübeln

FPÖ attackiert auch Wiener Stadtregierung

Pollak übte aber auch Kritik an der Polizei. Die habe schon im Vorfeld für so viel Unruhe gesorgt, dass die Strategie wohl als „eskalativer Schuss nach hinten“ losgegangen sei. Scharfe Worte für die Wiener Stadtregierung fand am Samstag FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (die Wiener Freiheitlichen sind Veranstalter des Balls, Anm.). Er sprach von „linksfaschistischen Gewaltexzessen“ und warf der rot-grünen Stadtregierung Unterstützung gewaltbereiter Demonstranten vor - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Eingeschlagenes Schaufenster

ORF.at/Roland Winkler

In der City gingen zahlreiche Auslagen zu Bruch

Kritik an Einsatz vor der Akademie

Die Polizei musste sich wiederum vor allem wegen eines Einsatzes auf dem Schillerplatz Vorwürfe gefallen lassen, nachdem dort am späten Freitagabend Hunderte Beamte vor der Akademie der bildenden Künste Stellung bezogen und umfangreiche Personenkontrollen durchgeführt hatten. Die Begründung lautete, es bestehe der Verdacht, dass sich Randalierer in dem Gebäude befinden. In der Akademie fand gerade ein Tag der offenen Tür statt. Festnahmen gab es dort am Ende keine.

Polizisten verhaften einen Demonstranten

ORF.at/Roland Winkler

Kundgebungsorganisatoren kritisierten Gewalt von Beamten

Das Rektorat und die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) kritisierten die Aktion scharf. Die Akademie sei stundenlang „eingekesselt“, „mehr als 100 Gäste“ seien „festgehalten“ worden, hieß es Samstagfrüh. Die ÖH wollte außerdem nicht recht an einen Zufall glauben, da in der Akademie unter anderem auch eine Aktion zugunsten von Flüchtlingen stattfand. Auch von Verletzten war die Rede, Rektorin Eva Blimlinger sprach von einem „Skandal“. Die Polizei wies Kritik an ihrem Vorgehen generell wegen der Gewaltbereitschaft einzelner Demonstrantengruppen zurück.

“Wahllose Gewaltexzesse“

Laut Exekutive hatten sich rund 6.000 Menschen zu Kundgebungen versammelt, rund 2.000 Polizisten aus allen Bundesländern waren nach Wien abkommandiert. Die Proteste seien überwiegend „ohne besondere Zwischenfälle“ verlaufen, hieß es in einem Resümee der Landespolizeidirektion Wien an die Presse am Samstag - aber eben nur überwiegend.

Polizist verstaut Stein als Beweismittel

ORF.at/Roland Winkler

Pflasterstein als Wurfgeschoß und Beweismittel

In der Innenstadt sei es nach Ende der Kundgebungen zu „Attacken von gewaltbereiten Gruppen, die sich gegen die Polizei“ richteten, gekommen. Feuerwerkskörper, Mistkübel und Farbbeutel flogen in Richtung der Sicherheitskräfte, es sei „an verschiedenen Örtlichkeiten im Bereich der Inneren Stadt zu wahllosen Gewaltexzessen“ gekommen. „Im Wesentlichen standen Objekte im Fokus der Randalierer, die in keinerlei Zusammenhang mit dem Akademikerball zu bringen sind“, hieß es weiter. Es seien insgesamt 17 Demonstranten und fünf Beamte verletzt worden.

„Kurze, sehr heftige Auseinandersetzungen“

Auf dem Stephansplatz wurden Schaufenster eingeschlagen, Böller, Flaschen und Mistkübel geworfen - mehr dazu in iptv.ORF.at. Ein Demonstrant versuchte in die dortige Bank-Austria-Filiale einzudringen, scheiterte aber am Panzerglas. Rund 50 Personen schafften es in die Sperrzone vor die Oper, diese Versammlung wurde von der Polizei ohne gewalttätige Zwischenfälle geräumt. Am Fleischmarkt wurden gegen die Fassade einer Drogeriekettenfiliale Farbbeutel geworfen. Polizeisprecher Hahslinger sprach im „Wien heute“-Interview am Freitagabend von „kurzfristigen, aber sehr heftigen Auseinandersetzungen“.

Vermummte

ORF.at/Roland Winkler

Demonstranten des „Schwarzen Blocks“ zeigten sich gewaltbereit

Gegen 20.00 Uhr war der „Schwarze Block“ von der Exekutive in der Löwelstraße hinter dem Burgtheater eingekesselt worden. Darunter sind Demonstranten vor allem aus dem linken, autonomen und linksextremen Bereich zu verstehen, die mit einheitlicher, meist schwarzer und vermummender Kleidung eine Identifikation ihrer Person erschweren wollen. In Bussen waren auch Demonstranten aus Deutschland angereist.

Strache will Ball „mit Sicherheit nicht aufgeben“

Zum Ball waren 1.500 Besucher erwartet worden, tatsächlich dürften es aber deutlich weniger gewesen sein. Internationale Gäste blieben der Veranstaltung diesmal fern. Kamen im vergangenen Jahr noch die französische Front-National-Politikerin Marine Le Pen, war heuer kein prominenter Besuch aus dem Ausland in der Hofburg vertreten, hieß es vonseiten des FPÖ-EU-Parlamentariers Andreas Mölzer.

FPÖ-Chef Strache, der 2013 wegen eines Urlaubs verhindert gewesen war, nahm heuer an dem Ball teil. Den Ball werde man auch in Zukunft „mit Sicherheit nicht“ aufgeben, so Strache. Es gehe um das Grundrecht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit. „Das werden wir uns nicht nehmen lassen.“

Links: