Kulturwissenschaftler Stuart Hall ist tot

Der britische Kulturwissenschaftler Stuart Hall ist tot. Er starb gestern 82-jährig in London. Hall galt als einer der profiliertesten Denker Großbritanniens und Hauptvertreter der Cultural Studies.

Hall wurde 1932 in Jamaika geboren und kam 1951 nach Großbritannien. Er studierte in Oxford, arbeitete am Center for Contemporary Cultural Studies an der Universität in Birmingham und wurde 1972 dessen Direktor. Das Center entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der wichtigsten kulturwissenschaftlichen Institutionen der westlichen Welt. Später wechselte er als Professor für Soziologie an die Open University, Milton Keynes.

Wissenschaft mit politischer Komponente

Seine Forschungsschwerpunkte waren breit gestreut: Er beschäftigte sich mit Medientheorie genauso wie mit Postcolonial Studies ganz im Sinne der Cultural Studies, die die kulturellen Praktiken des Alltags immer mit einer gesellschaftlichen und politischen Komponente als zentralem Forschungsfeld abstecken.

Hall war zudem Mitbegründer der „New Left“, politisch engagiert war er weniger als Aktivist, vielmehr als politischer Denker, etwa als Herausgeber der „New Left Review“. Ihm wird auch der Begriff „Thatcherismus“ zugeschrieben, den er geprägt hatte, noch bevor Margarete Thatcher Premierministerin Großbritanniens wurde. Die letzten Jahre verbrachte Hall wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands zurückgezogen.