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Großprojekt Sixtinische Kapelle

Seine Fresken in der Sixtinischen Kapelle und seine Kuppel des Petersdoms sind weltberühmt - und werden auch heute noch von Millionen Kunstfreunden aus aller Welt bewundert. Seine David-Skulptur in Florenz gilt als Symbol des italienischen Kulturerbes. Der Maler, Bildhauer, Architekt und Dichter Michelangelo Buonarroti zählt zu den zentralen Repräsentanten der an großen Künstlern nicht armen Hochrenaissance. Am 18. Februar jährte sich nun zum 450. mal Michelangelos Todestag.

Das Multitalent war nicht nur perfektionistisch, sondern auch rastlos, getrieben davon, sein Glück zu meistern. Nach ersten Reliefs in seiner Florentiner Jugendzeit folgten etwa in Rom der trunkene „Bacchus“ und vor allem die schon auffallend ausgefeilte Pieta in der Peterskirche. Nach der Jahrhundertwende nach Florenz zurückgekehrt, schloss sich als Durchbruch zum Ruhm sein kolossaler David an, der zunächst vor dem Palazzo della Signoria emporragte und später in der Accademia aufgestellt wurde.

Das marmorne Meisterwerk sollte Michelangelo aber noch nicht unsterblich machen. Dafür sorgte schließlich Papst Julius II., der den von Auftrag zu Auftrag hetzenden Künstler zurück nach Rom holte und mit Arbeit überschüttete. So sollte er die Decke der Sixtinischen Kapelle - alles in allem immerhin mehr als 800 Quadratmeter - mit Fresken mit biblischen Szenen ausmalen. Die Arbeiten zogen sich über vier Jahre (1508 bis 1512), wobei der damals 33-Jährige und als eigenbrötlerisch bekannte Michelangelo den prestigeträchtigen Auftrag zunächst nur widerwillig angenommen haben soll.

David-Statue von Michelangelo in Florenz

Reuters/Max Rossi

Michelangelos wohl bekannteste Skulptur

„Dramatische Religiosität“

Jahrzehnte später legte Michelangelo noch ein Meisterwerk nach, ein seinerzeit nicht unumstrittenes: das Jüngste Gericht, grandioses Freskengemälde an der Altarwand - mit etlichen nackten Männern, deren Blößen nachträglich bekleidet werden mussten und die nur knapp dem Los entgingen, wieder entfernt zu werden. Kunsthistoriker sahen in dem schier endlosen Figurenstrudel einen stilistischen Kraftakt und die „dramatische Religiosität des älteren Michelangelo Buonarotti“. Seine Werke und die Kapelle wurden 1982 bis 1994 umfangreich restauriert.

Eine dezente Neuausleuchtung der Sixtinischen Kapelle soll im Jubiläumsjahr des Meisters mit 7.000 Leuchtdioden den künstlerischen Schatz an Decke und Altarwand zu bester Geltung bringen - „soft“, mit nahezu unsichtbaren Lichtstrahlen, die den Betrachter nicht blenden.

Zu den ebenfalls herausragenden Einzelwerken Michelangelos gehören die Medici-Grabmäler in Florenz, die Christusstatue für die römische Kirche Santa Maria sopra Minerva und vor allem sein für das Grab von Papst Julius II. gedachter Moses in Roms San Pietro in Vincoli, den Michelangelo angesichts der rund 40 Jahre dauernden Ausführungszeit einmal als Tragödie seines Lebens bezeichnet haben soll. Was sein Lebenswerk abrundete, das erlebte Michelangelo nicht mehr: Der Petersdom mit seiner wunderbaren Kuppel, seit 1546 im Bau, wurde erst nach seinem Tod vollendet. Der Ausnahmekünstler, der zahlreiche andere Werke schuf, erhielt in Florenz ein Grab samt Denkmal darüber.

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