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Großkonzerne auf Expansionskurs

Der Milchmarkt in China boomt - und das mit Auswirkungen auf der ganzen Welt. Die hohe Nachfrage lässt weltweit den Preis stabil bleiben. Große Nahrungsmittelkonzerne investieren immer stärker in Asien. Vergangenes Jahr sorgte die chinesische Nachfrage sogar für Engpässe bei Milchpulver in Europa.

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Seit einem Skandal um mit der Industriechemikalie Melamin verseuchtes Milchpulver im Jahr 2008, bei dem mindestens sechs Säuglinge starben und Tausende erkrankten, scheuen viele chinesische Eltern heimisches Milchpulver und greifen stattdessen zu importierten Produkten. In manchen Städten kommen Firmen wie Danone, Nestle, Mead Johnson Nutrition und Abbott Laboratories auf einen Marktanteil von 80 Prozent.

Regale in Europa leer gekauft

Im vergangenen Sommer waren sogar in Geschäften von Europa bis Australien die Regale leer gekauft. Verantwortlich dafür sollen Netzwerke privater chinesischer Händler sein, die Milchersatz aufkaufen und in ihre Heimat verschicken.

Chinesische Eltern trauen den heimischen Produkten nach Skandalen um Gift in Babymilch nicht mehr über den Weg. Sie zahlen Höchstpreise für Produkte aus Europa - selbst wenn diese drei-, viermal so teuer sind wie die chinesischen. Auf der Internetverkaufsplattform Taobao gab es über 4.000 Einträge für Milchpulver aus Deutschland. Hinzu kam eine ähnliche Zahl für Babymilch aus Großbritannien, 3.000 Treffer bezogen sich auf Frankreich.

Behörden verschärfen Vorschriften

Vergangenen Dezember verschärften die chinesischen Behörden nach den Milchpulverskandalen die Vorschriften: Firmen müssen sich bis Ende Mai um eine neue Lizenz bemühen, so die Aufsichtsbehörde. Es werde schwieriger, eine Genehmigung zu erhalten. „Das wird die Sicherheit und die Qualitätskontrollen in dem Bereich stärken.“ Mit dem Schritt will die Regierung das Vertrauen der Bevölkerung vor allem in heimische Hersteller stärken.

Schon einige Monate vorher hatten die Behörden gegen mehrere Hersteller von Babymilchpulver eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Preisabsprachen eingeleitet. Nestle erklärte, man arbeite mit den Wettbewerbsbehörden zusammen. Auch Danone und der US-Konzern Mead Johnson Nutrition erklärten, sie kooperierten und stellten Informationen zur Verfügung. Wegen Preisabsprachen und Wettbewerbsverstößen wurden sie dennoch zu hohen Geldstrafen verdonnert. Insgesamt mussten sechs Firmen umgerechnet rund 83 Mio. Euro zahlen.

Konzerne investieren groß

Dennoch: Für die großen Nahrungsmittelkonzerne bleibt das Land der Zukunftsmarkt. Vor kurzem verkündete Danone, knapp eine halbe Milliarde Euro in China zu investieren und damit seinen Anteil an der dort führenden Molkerei Mengniu Dairy von vier auf 9,9 Prozent zu erhöhen. Nestle wiederum übernahm bereits 2012 das Babynahrungsgeschäft von Pfizer, das 60 Prozent seiner Umsätze in Asien machte. Pfizer Nutrition hatte in China auch einen Produktionsstandort, mit dem der lokale Markt beliefert wird.

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