Italien rief Botschafter aus Indien zurück

Der Streit über zwei in Indien inhaftierte italienische Marinesoldaten sorgt wieder für Spannungen zwischen Italien und Indien. Die italienische Außenministerin Emma Bonino rief heute den italienischen Botschafter aus Indien zurück, nachdem das oberste Gericht in Indien die Entscheidung, welches Recht bei den Soldaten angewendet werden soll, erneut vertagt hatte, meldeten italienische Medien.

Die erneute Verschiebung der Entscheidung zu dem Vorfall vor zwei Jahren sei „inakzeptabel“ und zeige die „Unfähigkeit“ Indiens in der Angelegenheit, sagte Bonino. Italiens Hauptziel bleibe es, die Rückkehr der beiden Marinesoldaten zu erreichen, so die Außenministerin. Verteidigungsminister Mario Mauro sagte, das „Maß sei voll“.

Frage nach der Zuständigkeit

Den beiden italienischen Soldaten Massimiliano Latorre und Salvatore Girone, die einer Anti-Piraten-Einheit angehören, wird vorgeworfen, im Februar 2012 vor der Küste des indischen Bundesstaates Kerala zwei Fischer getötet zu haben. Die Soldaten hatten erklärt, sie hätten die Fischer für Piraten gehalten und Warnschüsse abgegeben. Italien argumentiert, der Vorfall habe sich in internationalen Gewässern ereignet, die indische Justiz sei deshalb nicht zuständig.

Laut italienischen Medien handelte es sich bereits um die 26. Verschiebung in der Causa und die sechste Vertagung durch den Obersten Gerichtshof. Nach Angaben indischer Medien können sich das Innen-, Justiz- und Außenministerium in Delhi nicht auf die Anklage einigen. Italien kritisiert, dass den Soldaten unter einem Anti-Piraten-Gesetz der Prozess gemacht werden soll, weil sie damit mit Terroristen gleichgesetzt würden. Die Europäische Union kritisierte ebenfalls die Vertagung der Entscheidung.