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„Doppelt gemoppelt“

Es ist eine Aussage gewesen, die zunächst auf keinerlei Widerhall gestoßen ist: Die neue SPÖ-Bildungssprecherin Laura Rudas brach in einem Interview mit der APA eine Lanze für die weiter umstrittene Zentralmatura. Dabei zeigte sie sich auch für eine grundsätzliche Debatte über die Notwendigkeit einer Reifeprüfung offen.

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„Man kann durchaus über die Matura an sich diskutieren, also ob man nach acht Jahren Schule dann noch eine Prüfung braucht“, so Rudas vor wenigen Tagen wörtlich. Dass ausgerechnet vonseiten der von der ÖVP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) dominierten AHS-Lehrergewerkschaft eine positive Reaktion auf diesen Vorstoß kommt, dürfte selbst Rudas überraschen.

Im Ö1-Morgenjournal am Samstag zeigte sich der Chef der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, jedenfalls mehr als offen für diese Idee. In Österreich werde derzeit immer öfter „doppelt gemoppelt“, so Quin. Da immer mehr Ausbildungsstätten im tertiären Bildungssektor (Unis, Fachhochschulen etc.) eigene Aufnahmeprüfungen abhielten, verliere die Matura zusehends ihren Sinn eines allgemeinem Studienberechtigungsnachweises - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Quin befürchtet - im Gegensatz zu Rudas -, dass sich diese Entwicklung durch die Zentralmatura noch verschärfen wird. Quin geht davon aus, dass durch das offiziell „neue Matura“ genannte Prozedere das Niveau sinken wird, da vor allem beim schriftlichen Teil - hier werden die Aufgaben ja vom Bund vorgegeben - nur noch Mindeststandards überprüft werden könnten.

Heinisch-Hosek: „Sehr befremdend“

Dass der oberste AHS-Lehrervertreter Quin die Matura an sich infrage stellt, ist für Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) „sehr befremdend“, wie sie sagte. Sie verwies lieber auf die Vorteile der neuen Zentralmatura und sagte, es solle „endlich Schluss mit der Debatte“ über die Zentralmatura sein. „Die neue Matura kommt“, man habe diese zehn Jahre lang „gut vorbereitet“. Sie bringe gleiche Bedingungen, einheitliche Grundkompetenzen und mehr Objektivität. Außerdem bringe sie eine bessere Vergleichbarkeit für die Unis und Fachhochschulen bei der Anerkennung von Abschlüssen.

„Unabhängig vom Goodwill des Lehrers“

Auch Rudas sah die Zentralmatura in ihrem Interview anders als Quin positiv. Sie verteidigte die Zentralmatura, da damit Chancengleichheit geschaffen werde. Es dürfe „keinen Unterschied machen, in welche Schule man geht“, so Rudas. Sie verstehe zwar die Ängste von Schülern, doch das Ziel sei es, ein objektives Beurteilungssystem zu haben, das unabhängig vom „Goodwill des Lehrers“ sei.

Aus Quins Sicht wird mit der Zentralmatura dagegen der Prozess der Entwertung der Reifeprüfung verstärkt. Angesichts von jüngsten Überlegungen in der Regierung, die in manchen Fächern bereits bestehenden Aufnahmeverfahren auf weitere Fächer auszudehnen, spricht sich Quin für eine radikale Regelung aus: Aufnahmeverfahren abhalten - und dafür im Gegenzug die Matura, und das heißt in diesem Fall die von der FCG ungeliebte Zentralmatura abschaffen.

Als Alternative schlägt der Lehrergewerkschafter vor, den Unterricht in den Abschlussklassen bis Juli fortzuführen, also um zweieinhalb Monate zu verlängern. Personen, die die achte oder neunte Klasse positiv absolviert hätten, hätten ja wohl entsprechendes Wissen bewiesen, so Quin. Dann könne man sich die Matura sparen - der Gewerkschafter verweist dabei auch auf mögliche Einsparungen für den Bund in Millionenhöhe.

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