Karzai „extrem wütend“ auf US-Regierung

Zehn Monate vor dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes in Afghanistan hat Präsident Hamid Karzai erneut scharfe Kritik an der US-Regierung geübt. Der Militäreinsatz in seinem Land diene inzwischen nicht mehr den Afghanen, sondern der Sicherheit der USA und westlichen Interessen, sagte Karzai in einem heute veröffentlichten Interview der „Washington Post“. „Afghanen starben in einem Krieg, der nicht der unsere ist.“

„Extreme Wut“

Gefragt nach seiner Botschaft an die Amerikaner sagte er: „Richten Sie dem amerikanischen Volk meine besten Wünsche und meine Dankbarkeit aus. Richten Sie der US-Regierung meine Wut, meine extreme Wut aus.“

Der Präsident kritisierte besonders die zahlreichen zivilen Opfer bei ausländischen Militäroperationen in den vergangenen Jahren. Er bekräftigte, er werde das Sicherheitsabkommen mit den USA nicht vor der Präsidentenwahl am 5. April unterzeichnen, sollte bis dahin nicht ein Friedensprozess mit den Taliban beginnen.

Das Abkommen ist Voraussetzung für einen internationalen Militäreinsatz ab 2015. Zur Wahl darf Karzai nicht mehr antreten. Karzai stellte außerdem die Existenz des Terrornetzes Al-Kaida infrage. „Al-Kaida ist für mich mehr Mythos als Realität“, sagte er.