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Premier will Union Jack verbannen

Keine vier Wochen vor dem Besuch von Prinz William und seiner Familie in Neuseeland ist dort eine Debatte über die kolonialen Züge der Nationalflagge entbrannt. Weil Neuseeland ein britische Kolonie war und Queen Elizabeth das Staatsoberhaupt ist, enthält die Fahne neben vier Sternen für das Kreuz des Südens den blau-weiß-roten Union Jack, die britische Flagge.

Premierminister John Key versprach den Neuseeländern für den Fall seiner Wiederwahl ein Referendum über ihre Nationalflagge. Dabei sollen sie vor allem darüber abstimmen, ob sie den Union Jack von der Fahne verbannen. Die jetzige Flagge stehe für eine „koloniale und postkoloniale Ära, deren Zeit vorbei ist“, sagte Key am Dienstag in der Universität von Wellington.

John Key, derzeitiger Premierminister von Neuseeland

Reuters/Brendon Thorne

Der neuseeländische Premier John Key will die alten Symbole von der Fahne entfernen

Suche nach neuen Symbolen

Die neuseeländische Flagge werde mehr vom Union Jack dominiert als das Land selbst vom Vereinigten Königreich, fügte Key hinzu. Der Premierminister sagte, er sei offen für Ideen. Sein persönlicher Favorit ist ein Silberfarn auf schwarzem Grund - ein Symbol, das bereits von neuseeländischen Sportteams wie der Rugby-Nationalmannschaft All Blacks genutzt wird. Wenn seine konservative Partei die Parlamentswahl im September gewinnt, will Key eine parteiübergreifende Kommission zur Flaggenfrage einsetzen und vor der nächsten Wahl 2017 ein Referendum abhalten.

Altes Regierungsgebäude in Wellington

Fotolia/Rafael Ben-Ari

Das Regierungsgebäude in Neuseelands Hauptstadt Wellington

Aufregung über Maori-Absage

Zuvor hatte es eine weitere Aufregung über den Besuch von Prinz William gegeben. Ein Treffen mit dem Maori-König Tuheitia Paki wurde von diesem abgesagt. Tuheitia will nun böses Blut verhindern: Er habe persönlich an Prinz William und dessen Frau Kate geschrieben und dargelegt, warum er die beiden bei ihrem Besuch in Neuseeland nicht empfängt, sagte Tuheitias Sprecher am Donnerstag.

Die britische Presse hatte einen Affront daraus gemacht. Das sei aber völlig falsch, ließ der Hof des Königs wissen. Vielmehr habe die neuseeländischen Regierung den Monarchen erzürnt, weil sie zu wenig Zeit für eine formelle Maori-Begrüßung erlaube. Zur traditionellen Willkommenszeremonie gehört traditionell ein Haka, ein aggressiv anmutender Tanz mit viel Brust- und Schenkelschlagen und Zungezeigen - bekannt etwa von Auftritten neuseeländischer Nationalmannschaften bei Sportveranstaltungen. Zur Maori-Begrüßung gehört auch das Stirn- und Nasereiben - von William bei einer Solotour nach Neuseeland 2010 schon mehrfach erprobt.

„Unser König ist keine Faschingsfigur“

William und Kate sind bei ihrer ersten Auslandsreise als Familie zusammen mit Baby George am 12. April in Hamilton auf der Nordinsel unweit des Stammsitzes des Königs. Das Besuchskomitee der Regierung hatte aber nur 90 Minuten für den Besuch dort vorgesehen. Daraufhin sagte Tuheitia die Begegnung ab.

„Unser König ist keine Faschingsfigur, die auf Gutdünken der Regierung hervorgeholt wird“, sagte Königssprecher Kirk MacGibbon. Begegnungen der Adeligen sind eigentlich Tradition: Tuheitias Mutter Dame Te Arikinui Te Atairangikaahu traf zuletzt Elizabeth 1995, der sie zur Feier des Tages einen Fellumhang nach Maori-Tradition um die Schultern legte.

Es sei höchst unwahrscheinlich, dass das Programm von William und Kate noch geändert werde, um eine längere Begegnung zu ermöglichen, sagte Regierungssprecher Allen Walley. Um seine Verbundenheit mit den britischen Royals zu unterstreichen, habe König Tuheitia William und Kate zu einem neuen Besuch nach Neuseeland eingeladen, berichtete sein Sprecher.

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